Theo van Gogh

 

Fremdenhass und Angstsucht
Bestsellerautor Geert Mak konfrontiert die Niederländer mit einem umstrittenen Vergleich: Theo van Goghs Film "Submission" nutze die gleiche Propagandatechnik wie der NS-Dokumentarfilm "Der ewige Jude"

taz Artikel von ULRIKE HERRMANN vom 10.12.2005   

Darf man das? Diese Frage beschäftigt die Niederlande seit dem Februar. Damals erschien eine kleine Streitschrift, und sie wagt einen unerhörten Vergleich: Die heutigen Niederlande würden der Weimarer Republik kurz vor dem Dritten Reich zumindest ähneln. Wie damals die Juden würden nun die Moslems ausgegrenzt.

ganzer Artikel

"Wer schießt denn schon auf den Dorfdeppen?"

Aus der Presse

Für heftige Kontroversen sorgte in diesem Frühjahr vor allem sein Kurzfilm "Submission", der von der Unterdrückung islamischer Frauen im Namen des Koran handelt. In dem Film wird auf äußerst provozierende Weise mit islamischen Glaubenssymbolen umgegangen: Der halb nackte Rücken einer Frau ist dort zu sehen, darauf eintätowiert sind frauenfeindliche Koransuren. Das Drehbuch für den Film hatte die aus Somalia stammende Parlamentsabgeordnete und Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali geschrieben. Die Politikerin der rechtsliberalen Partei VVD hatte wegen dieses Filmes ebenso wie Van Gogh Todesdrohungen erhalten. Beide standen deshalb seither unter Polizeischutz.

In "Submission", der die Geschichte einer von ihrem muslimischen Ehemann misshandelten Frau erzählt, zeigt sich das Opfer in einem durchsichtigen Kleid. Auf ihre nackten Brüste hat sie aus Protest einige Koran-Passagen gemalt.

"Der Verdächtige fühlte sich von van Goghs Film tief beleidigt. In dem Film wird Mohammed als pädophil bezeichnet, weil er mit einem neunjährigen Mädchen verheiratet war."

Berliner Zeitung vom  03. November 2004 (Menno Weijs)

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/391745.html

Sreenshot aus dem Film Submission Part 1

Der Film kann mittlerweile im Internet betrachtet werden - Ínternetversion von Submission

Auf den Züchtigungsmalen stehen Verse aus dem Koran

Quelle: 3sat, Kulturzeit, 05.11.2004

Bei Kritik Mord

Katajun Amirpur im Gespräch über das Attentat auf Theo van Gogh

Die Niederländische Zeitung "De Telegraaf" schrieb am Freitag: "Fanatische Muslim-Extremisten müssen für alle sichtbar härter angepackt werden, um Bürgern die Angst zu nehmen - und als Warmung an Fanatiker, die Grenzen nicht zu überschreiten. Imame, die zu verbotenen Handlungen aufrufen, muss man aus dem Land weisen."

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/72585/index.html

03. November 2004 Als er am Dienstag morgen mitten in Amsterdam auf seinen Mörder traf, befand sich Theo van Gogh auf dem Weg zu seiner Produktionsfirma, um die erste Fassung eines Dokumentarfilms über den Mord an Pim Fortuyn abzunehmen. Sekunden später traf den Regisseur dasselbe Schicksal wie den prominenten Politiker vor gut zwei Jahren: Er wurde auf offener Straße erschossen.

Gegen eine verkehrte Toleranz fürs Intolerante und gegen die Feigheit der Zivilgesellschaft angesichts muslimischen Forderungen nach Privilegien, Kleiderordnungen, Sondersitten hat van Gogh zuletzt mit großer Vehemenz gestritten und sich dafür auch einmal als echter Provo im karnevalistischen Scheichskostüm ablichten lassen. In einem Interview des belgischen Radios vor drei Wochen wurde er gefragt, ob er denn keine Angst habe. Lachend antwortete er, an seiner Arroganz würden alle Kugeln abprallen: "Und wer schießt denn schon auf den Dorfdeppen?"

F.A.Z vom 03. November 2004 (Dirk Schümer)

http://www.faz.net/s/RubF7538E273FAA4006925CC36BB8AFE338/Doc~E40D2582BE66945E6B2888D7C77621B49~ATpl~Ecommon~Scontent.html


Sein Mut kostete ihn das Leben

Das Entsetzen über den Mord treibt Tausende auf die Straßen Theo van Gogh, Urgroßneffe des Malers, war in ganz Holland bekannt als Provokateur, trinkfest und sarkastisch. Vor allem aber bewunderte man seinen ungeheuren Mut, seine Verachtung für ästhetische und politische Feigheit. Die Todesdrohungen gegen seine Mitautorin Hirsi Ali, die seit langem wegen ihrer offenen Worte zur islamischen Frauenunterdrückung bewacht werden und unter wechselnden Adressen wohnen muß, hatten den Unbeugsamen erst recht bewogen, als einziger Mitwirkender des Films seinen Namen bekanntzugeben. Dieser Mut hat ihn nun das Leben gekostet.

Der Regisseur hatte zuletzt in seiner polternden Art angekündigt, aus diesem stickigen Holland auswandern zu wollen, wo man - anders als im siebzehnten Jahrhundert - nicht mehr frei seine Meinung zu religiösen Fragen äußern dürfe.

Filmhochschule lehnte seine Arbeit ab

Van Gogh hatte 1981 mit einem Film über eine Entführung debütiert, nachdem die Filmhochschule seine Abschlußarbeit abgelehnt und ihm den Gang zum Psychiater empfohlen hatte. Stattdessen hatte der Kraftmensch Erfolg mit Werken zu so unkonventionellen Themen wie Telefonsex und Nekrophilie.

Vor drei Wochen wurde sein bisher letztes Werk „Cool” vom Filmverleih Pathe als zu unkommerziell abgelehnt, was Van Gogh sofort als Feigheit vor dem vermutlichen Publikum geißelte: kriminellen Jugendbanden aus den Vorstädten. Mit Akteuren aus dieser Szene, darunter auch arabischstämmigen, und einer strengen Jugendschule in Wezep als Vorbild hatte Van Gogh zum Thema gemacht, was die konsensliebenden Niederländer lange tabuisiert hatten: die Voraussetzungen der Straßengewalt, zu denen auch die Rapperkultur gehört.

F.A.Z vom 03. November 2004 (Dirk Schümer)

http://www.faz.net/s/RubF7538E273FAA4006925CC36BB8AFE338/Doc~E425671F46B5848A5B656A121FF193198~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Nach dem Mord an dem Regisseur Theo van Gogh sieht der niederländische Schriftsteller Leon de Winter sein Land in einer tiefen Krise. De Winter: "Er war ein Artist provocateur, wie die Franzosen sagen. Ich selbst war häufig die Zielscheibe seiner gnadenlosen Angriffe. Er ging ständig zu weit. Ich will Ihnen ein Beispiel von Herrn van Goghs Feinsinn geben: Einmal schrieb er, dass ich, wenn ich Sex mit meiner Frau habe, mir wohl Stacheldraht um meinen Penis wickele und 'Auschwitz, Auschwitz' schreie." "Der Verdächtige fühlte sich von van Goghs Film tief beleidigt. In dem Film wird Mohammed als pädophil bezeichnet, weil er mit einem neunjährigen Mädchen verheiratet war."

Spiegel-online vom 02. November 2004 - Das Interview führte Carsten Volkery

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,326178,00.html

Michael Moore der Niederlande

Der Provokateur Theo van Gogh (45) wurde von einer Filmzeitung als "politisch inkorrekter Michael Moore der Niederlande" bezeichnet. Schon sein erster, 1981 gedrehter Film Luger wurde scharf als frauenfeindlich, teils sogar als faschistisch kritisiert. Im Laufe seiner Karriere überwarf Van Gogh sich mit Dutzenden Redaktionen und Prominenten. Dabei stand immer wieder Religion im Zielfeuer seiner Attacken: Jesus bezeichnete er einmal als "verfaulten Fisch von Nazareth", und dem Schriftsteller Leon de Winter warf er vor, mit seinem Jüdischsein zu kokettieren.

Dass in letzter Zeit vor allem der Islam im Zentrum seines Interesses stand, ist nach 9/11 und Pim Fortuyn nicht verwunderlich. Und natürlich trieb Van Gogh die Polemik auf die Spitze. Anfang des Jahres veröffentlichte er eine Kolumne, in der er den Propheten Mohammed als "schmutzigen Onkel" und "Vergewaltiger kleiner Mädchen" bezeichnete. Damit lag er auf einer Linie mit der aus Somalia stammenden liberalen Politikerin Ayaan Hirsi Ali, die mit drastischen Parolen gegen falsche Toleranz für Moslems in den Niederlanden agiert. Gemeinsam drehten sie den Kurzfilm Submission, der frauenfeindliche Passagen aus dem Koran als Kalligraphien auf nackten Körpern muslimischer Frauen zeigt. Obwohl Kritiker schnell darauf verwiesen, dass der Film sich zu offensichtlich an die Werke der Künstlerin Shirin Neshat anlehnt, erreichte er sein Ziel: Ein Aufschrei der Empörung ging durch die niederländischen muslimischen Gemeinden.

Van Gogh hatte jedoch auch subtilere Seiten. In der Fernsehserie Najib und Julia thematisierte er eine Liebesgeschichte zwischen einem jungen Marokkaner und einer Holländerin. Seine Vorliebe für gesellschaftliche Außenseiter fand sowohl in seinem unvollendeten Spielfilm über Pim Fortuyn als auch in seinem aktuellen Film Cool! Ausdruck. Die Protagonisten dieses Films über das Leben in einer niederländischen Glen-Mills-Schule sind größtenteils schwererziehbare pubertierende Marokkaner von der Sorte, denen die meisten Niederländer nicht im Dunkeln begegnen wollen.

"Sandneger" oder "Rif-Ratten" werden sie in Holland genannt, und das dank Pim Fortuyn auch von Leuten, die solche Ausdrücke früher niemals in den Mund genommen hätten.

Frankfurter Rundschau online - erstellt am 03.11.2004 - Erscheinungsdatum 04.11.2004 ANNEKE BOKERN

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=568039

Brüssel · 3. November · Ob er Angst vor einem Anschlag habe, wurde Theo van Gogh wenige Tage vor seiner Ermordung gefragt. "Wenn es passiert, dann passiert es halt", lautete seine patzige Antwort. Aber, fügte der massige Mann hinzu, zum Märtyrer tauge er nicht. In seiner Jugend habe der Film "Das Leben des Brian" einen singenden Jesus am Kreuz gezeigt. Solch einen Film heute über den Propheten Mohammed zu drehen, sei unmöglich. "Ich kann nicht mehr denken und schreiben, was ich will", fuhr der 47-Jährige fort, der seine Abscheu über den militanten Islam stets in drastische Worte kleidete. Die meisten Zeitungen des Landes, von denen kaum eine vor harten Vokabeln zurückschreckt, druckten seine Kolumnen nicht mehr. Er habe sie alle beleidigt, schreibt das Allgemeen Dagblad, Juden, Christen, Moslems, das niederländische Königshaus.

Koranverse auf einem malträtierten Körper gehören zu den Szenen eines Films van Goghs. In "Soumission", produziert mit der Abgeordneten Ayan Hirsi Ali, wird die Misshandlung von Frauen in der islamischen Welt angeklagt. Selbst vor einer Zwangsheirat geflüchtet, kämpft Hirsi Ali gegen Gewalt gegen Frauen. Seit Jahren erhält sie Morddrohungen aus fundamentalistischen Kreisen, marokkanische Rapper besangen in den Niederlanden ihre Ermordung. Die Frau hält sich seit dem Mord versteckt.

Der mutmaßliche Täter, ein 26-jähriger Niederländer mit marokkanischem Pass, hatte nach Polizeiangaben Kontakt zu militanten Moslems. Er gehörte wohl auch zum Bekanntenkreis eines bereits vor Wochen verhafteten Mannes, dem vorgeworfen wird, Bombenanschläge auf den Flughafen Schiphol und das Haager Parlament geplant zu haben.

Der Mann ging mit ungeheurer Brutalität vor. Augenzeugen berichteten, er habe auf van Gogh geschossen, sein bereits schwer verletztes Opfer über die Straße verfolgt und erneut geschossen. Mehrfach habe er mit einem Messer auf van Gogh eingestochen und versucht, ihm die Kehle durchzuschneiden; schließlich stieß er ein kleines Messer durch einen beschrifteten Zettel in den Körper des Sterbenden. Der Täter habe ruhig gewirkt, die Tat durchdacht.

Frankfurter Rundschau online - erstellt am 03.11.2004 - Erscheinungsdatum 04.11.2004 - JÖRG RECKMANN
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?sid=51e6f205ccc969109c024ab4b5b4ff78&cnt=568258

Der Regisseur, Kolumnist und Moderator (der „Fassbinder“ Hollands) war bekannt für seine Kritik am Islam, beschimpfte Muslime als „Horde mittelalterlicher Ziegenfi....“. Im Internet gab es Mordaufrufe.

Van Goghs jüngste Provokation: In seinem TV-Film „Submission“ (Unterwerfung) kombinierte er Passagen aus dem Koran mit den Geräuschen von Peitschenhieben und einer nackten Schauspielerin, der Koranverse auf den blutigen Rücken tätowiert worden waren.

Bild.de vom 03.11.2004

http://www.bild.t-online.de/BTO/news/2004/11/04/mord__van__gogh/mord__van__gogh.html

Zum Attentat auf Theo van Gogh schreibt das Algemeen Dagblad aus Amsterdam: Nach (dem Rechtspopulisten) Pim Fortuyn ist wieder jemand ermordet worden, der zu umstrittenen Themen eine messerscharfe Meinung hatte und diese absolut nicht für sich behalten hat. Das Recht auf Meinungsfreiheit ist ein zentraler Wert unserer Gesellschaft, die in Jahrhunderten außerdem ein großes Maß an Toleranz entwickelt hat. Jetzt ist es an der Zeit, dass vereinzelte Stimmen aus der islamischen Gemeinschaft einem massiven Nein gegen Entgleisungen dieser Art weichen. Ein Massenprotest niederländischer Islamisten könnte den Beginn einer Selbstreinigung darstellen.

taz Nr. 7505 vom 4.11.2004, Seite 15, 29 Zeilen (Dokumentation)

http://www.taz.de/pt/2004/11/04/a0266.nf/text.ges,1

Die Niederlande: Frontstaat im Kampf der Kulturen?

René Cuperus von der sozialdemokratischen Wiardi-Beckman-Stiftung sagte, dass die Niederlande nun ein „Frontstaat in der Konfrontation der Kulturen“ seien. Die Muslime müssten sich bewusst werden, in welch freizügiger Gesellschaft sie lebten. Der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Wouter Bos, sagte: „Dies ist ein Gefecht zwischen dem freien Wort und religiösen Fanatikern. Das kann in der Gesellschaft viel in Bewegung bringen.“

Bewegt hatten sich am Dienstagabend die Amsterdamer aller Konfessionen und Hautfarben, die dem Aufruf von Bürgermeister Job Cohen zu einer Gedenkveranstaltung für den Ermordeten auf den Dam gekommen sind. Innerhalb weniger Stunden waren über 20 000 Bürger mobilisiert, darunter auch viele Niederländer marokkanischer Herkunft. Khalid Kassem von der Stiftung „Hast du Angst vor mir?“, sagte der „Volkskrant“: „Da der Verdächtige ein marokkanischer Niederländer ist, kommt es uns so nahe, dass wir deutlich machen müssen, dass wir Gewalt ablehnen.“

Über den Täter ist immer noch wenig bekannt. Wie niederländische Medien melden, soll er dem Inlandsgeheimdienst bereits mehrfach aufgefallen sein, allerdings habe er nicht auf der Liste der 150 radikalen Islamisten gestanden, die Tag und Nacht überwacht werden. Nach Angaben des Soziologen Herman Vuisje sind fünf Prozent der niederländischen Muslime als radikal einzustufen, allerdings seien das doch etwa 50 000 Personen. „Was können wir noch tolerieren?“ ist die Frage, die nun gestellt wird.

Der Tagesspiegel vom  04.11.2004     Von Rolf Brockschmidt

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-neu.php?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/04.11.2004/1459036.asp

Van Gogh war als Filmemacher und Drehbuchautor über die Grenzen der Niederlande hinaus bekannt. Er arbeitete zudem als Fernsehmoderator und schrieb Kolumnen, die für ihre Bissigkeit gewürdigt wurden.

Freund von Fortuyn

Zudem war der Publizist auch ein Freund des vor einigen Jahren ebenfalls öffentlich ermordeten rechtsgerichteten Politikers Pim Fortuyn. Diesen hatte Van Gogh stets gegen Angriffe in Schutz genommen und das «Recht auf das freie Wort» propagiert. Kurz vor Fortuyns Tod hatte Van Gogh den Freund gewarnt, dass er wegen seiner politischen Meinung bedroht sei.

Van Gogh hatte kürzlich mit einem Kurzfilm über eine Muslimin Aufsehen erregt, die zu einer Eheschließung gezwungen, von einem Verwandten vergewaltigt und anschließend wegen Ehebruchs bestraft wird. Das Skript für den Film «Submission» stammte von einer rechtsgerichteten Politikern, die sich selbst vom Islam losgesagt hatte.

Netzeitung. vom 02. Nov. 2004

http://www.netzeitung.de/entertainment/people/311577.html

Vor allem aber hatte van Gogh immer und immer wieder den politisch korrekten Umgang der Arbeiterpartei, die er mit der holländischen Nazi-Partei verglichen hatte, mit dem Islam angeprangert. Die Sozialdemokraten waren es seiner Meinung nach, die ein illusionäres Modell der multikulturellen Gesellschaft propagierten, die Zwischenfälle zwischen Holländern und Immigranten immer wieder abwiegelten und bagatellisierten.

Der gewaltsame Tod van Goghs hat das Interesse an ihm und seiner Arbeit sprunghaft gesteigert. Schon wird die Demonstration für Meinungsfreiheit vor dem königlichen Palast in Amsterdam, an der am Abend des Mordtages 20 000 Amsterdamer teilnahmen, mit den Kundgebungen nach dem Attentat auf Fortuyn verglichen. "Lasst uns vorsichtig sein, denn sonst sind wir die nächsten Opfer", "Kritik am Islam kann tödlich sein", "Islamiten Parasiten" oder "Ich will mein altes Holland wiederhaben" waren Parolen während der Demonstration. Andererseits: Der Täter war ein Marokkaner, und es sind bei dieser Kundgebung viele Marokkaner dabei. Das ist ein Zeichen der Hoffnung."

Das Phänomen Pim Fortuyn, eine Form des Populismus, die bis dahin weder Holland noch Europa insgesamt erlebt hatte, war Inhalt des letzten Films von Theo van Gogh, dessen Premiere auf den 12. Dezember angesetzt ist. In seinem TV-Programm "Ein gutes Gespräch" hatte van Gogh den "göttlichen Kahlen" 1993 auf sehr persönliche und humorvolle Art interviewt. Später wurden die beiden Provokateure Freunde. Van Gogh wurde auf dem Weg in sein Studio ermordet, in einem Stadtteil, in dem viele Kulturen und Religionen -- überwiegend friedlich -- zusammenleben. In der Diskussion über den islamischen Fundamentalismus, den als die größte Bedrohung für die westliche Gesellschaft ansah, spielte van Gogh eine prominente Rolle. Er hat dabei bewusst die Grenze dessen gesucht und überschritten, was schicklich war. In seiner letzten Kolumne, im kostenlosen Tabloid "Metro", das von vielen Jugendlichen und Studenten gelesen wird, hatte van Gogh den Bürgermeister der Stadt angegriffen und als "Schirmherrn der Ziegenficker" beleidigt.

suedeutsche.de vom 04.11.2004 -  SIGGI WEIDEMANN

http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/369/42327/

Straßenkampf der Kulturen

Im Wahlkampf 2002 war der niederländische Populist Pim Fortuyn von einem fanatischen Tierschützer auf einem Parkplatz in Hilversum erschossen worden. Zwischen beiden Fällen gibt es zahlreiche Parallelen. Pim Fortuyn wie Theo van Gogh hatten beide die Provokation als politisches Ausdrucksmittel gewählt, beide führten einen Kreuzzug gegen das Establishment - an Lösungen der Probleme waren sie weniger interessiert. Was sie ausmachte war die perfekte Inszenierung ihres Auftritts. Dabei waren sie in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich. Van Gogh bezeichnete den Propheten Mohamed als Pädophilen, Fortuyn nannte den Islam eine rückständige Kultur.

Letztlich starb er jetzt auf einer Straße in Amsterdam, weil er diese Toleranz auch von einer großen Bevölkerungsgruppe einforderte, die innerhalb der niederländischen Gesellschaft eine eigene, eine Parallelgesellschaft entwickelt hatte. In den vergangenen Jahren hatte van Gogh mehrfach gegen die islamische Gemeinde des Landes polemisiert. "Wenn wir nicht aufpassen, haben wir hier bald Zustände wie in Belfast", war einer seiner Sätze gegen die von Ausländern dominierten Wohnviertel der Metropolen Amsterdam und Rotterdam.

Die Welt.de vom 04.11.2004  von Jan Kanter

http://www.welt.de/data/2004/11/04/355454.html

Theo van Gogh: Künstler und zynischer Provokateur

Van Gogh, der im übrigen für sich selber eine entfernte Verwandtschaft zum Maler gleichen Nachnamens reklamierte, verzichtete und ging seine Karriere auch ohne professionelle Ausbildung an. Das reichte immerhin 1996 und 1997 zu zwei nationalen Filmpreisen. Den richtig großen Erfolg konnte er jedoch nie feiern, zuletzt lehnte die größte niederländische Kinokette einen seiner Filme ab, weil sie keine "Aussicht auf einen kommerziellen Erfolg" sahen.

Van Goghs Themen waren selten massenkompatibel. Fürs Fernsehen inszenierte er einst eine Art Datingshow, in der die Kandidaten über die Farbe ihres Schamhaares und ihre Masturbationstechniken befragt wurden. Seine Agitation gegen das Establishment betrieb van Gogh zudem als Kolumnist einer Internetseite mit dem ironischen Namen "Der gesunde Raucher". Dort legte er sich mit allen Ikonen der niederländischen Gesellschaft an - und war bei der Wahl seiner Worte nicht eben zimperlich: Einen befreundeten (!) Schauspieler bezeichnete er einmal als "wandelndes Vaselinefaß", der Schauspielerin Monique van de Veen beschied er nach dem Tod ihres Sohnes: "Sei froh. Dein Sohn ist nicht umsonst gestorben. Du kannst jetzt jahrelang mit deinen Erinnerungen auf Tour gehen."

Der jüdischen Schriftsteller Leon de Winter erzählt, van Gogh habe ihm einmal über ihn gesagt, wenn er Sex mit seiner Frau habe, werde er sich wohl Stacheldraht um den Penis wickeln und "Auschwitz, Auschwitz" schreien.

Was den Regisseur, Schauspieler und Autor dazu trieb, sich dem Zynismus und der Provokation zu verschreiben, ist nicht bekannt. Seine Kindheit, wenn man dort suchen will, gibt in der Biographie (soweit sie bekannt ist) dazu wenig her. Van Gogh wurde in einer der vornehmsten Städte der Niederlande, dem Den Haager Vorort Wassenaar, geboren. Sein Vater war Regierungsangestellter, alles in allem nicht das schlechteste Elternhaus für eine einigermaßen stabile, möglicherweise sogar glückliche Kindheit.

Der Provokateur ist denn auch nur eine, wenn auch die öffentlich bestimmende Facette van Goghs. In einer weiteren Rolle, der des Interviewers, galt er als außerordentlich sensibel, bestach offenbar durch freundschaftlichen, beinahe zarten Umgang mit seinen Interviewpartnern.

Sobald van Gogh die öffentliche Bühne verließ, war er ein ganz normaler Familienmensch, der in privaten Gesprächen leidenschaftlich von der wahre und große Liebe schwärmte.

Die Welt.de vom 04.11.2004  von Jan Kanter

http://www.welt.de/data/2004/11/04/355455.html?s=1

Die liberale Parlamentarierin Hirsi Ali, mit der zusammen van Gogh den fatalen Kurzfilm "Submission" über sexistische Gewaltpassagen des Korans erstellt hatte, griff denn auch die laxen Sicherheitskräfte an: "Offenbar wird es in diesem Land zur Gewohnheit, mit Personenschutz zu warten, bis es Tote gegeben hat."

Aus ihrer lärmigen Provo-Welt der schrillen Happenings, des höheren Spaßes der Autorenfehden, der schockierenden Filme sind die so aufgeklärten und spielerischen Intellektuellen Amsterdams unversehens in einen realen Kugelhagel, in archaische Ritualgewalt geraten. Und viele fragen sich, ob es nicht der Schlaf ihrer eigenen Vernunft war, der dieses Monster gebar.

F.A.Z.net vom 03. November 2004 - Von Dirk Schümer

http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E40D2582BE66945E6B2888D7C77621B49~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Für viele Beobachter in den Niederlanden kam der Anschlag nicht völlig überraschend. Danach hat Van Gogh in der Vergangenheit häufig Hassbriefe erhalten, vor allem dann, wenn seine Filme mit Kritik am Koran oder an angeblicher Frauenfeindlichkeit im Islam gezeigt wurden. Trotz Todesdrohungen habe Van Gogh auf Personenschutz verzichtet.

n-tv.de vom 4. November 2004

http://www.n-tv.de/5445124.html


Filmemacher vermutlich Opfer radikaler Islamisten

Das Attentat auf den Filmemacher Theo van Gogh in Amsterdam hat nach Überzeugung der niederländischen Regierung einen islamistischen Hintergrund. Der festgenommene Tatverdächtige habe "aus radikal islamisch-fundamentalistischer Überzeugungen" gehandelt, sagte Justizminister Piet Hein Donner. Er wurde in einem Gefängniskrankenhaus inhaftiert, bei seiner Festnahme war er bei einem Schusswechsel mit der Polizei am Bein verletzt worden.

Wahrscheinlich habe der Attentäter die Tat alleine begangen, er stehe aber in Kontakt mit einer Gruppe von 150 Radikalen, die permanent vom niederländischen Geheimdienst überwacht werde, weil sie für mögliche Terroristen gehalten würden, sagte Donner.

Polizei nimmt acht Extremisten fest Die Polizei nahm in Zusammenhang mit dem Mord in Amsterdam acht mutmaßliche Muslim-Extremisten fest. Ihnen wird Zugehörigkeit in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Laut Auskunft der Polizei handelt es sich um sechs Marokkaner, einen Spanier marokkanischer Herkunft und einen Algerier.

tagesschau.de - Stand: 04.11.2004 08:02 Uhr

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3757170_TYP6_THE_NAV_REF3_BAB,00.html

Van Gogh-Attentäter hinterliess weitere Morddrohungen

05.11.2004

Mord an niederländischen Regisseur van Gogh

In dem fünfseitigen Brief werden weitere prominente Niederländer bedroht.

Ein Brief, der am Körper des in Amsterdam ermordeten niederländischen Regisseurs Theo van Gogh gefunden worden ist, enthält eine Morddrohung gegen eine Parlamentsabgeordnete. Das teilte Justizminister Piet Hein Donner mit. Der Brief enthalte "eine direkte Warnung" an Ayaan Hirsi Ali, sagte der Minister. Ali schrieb das Drehbuch für einen Kurzfilm van Goghs, in dem die Behandlung von Frauen im Islam kritisiert wird.

"Heiliger Krieg" in den Niederlanden angedroht

Donner erklärte, der fünfseitige "Offene Brief" drohe Ungläubigen, Amerika, Europa, den Niederlanden und Hirsi Ali einen Heiligen Krieg an. Der auf niederländisch und arabisch verfasste Brief erwecke den Anschein, als stamme er nicht von einer Einzelperson, sondern von einer Organisation. Dies sei besorgniserregend, sagte Donner. Die in Somalia geborene Hirsi Ali hat dem muslimischen Glauben abgeschworen. Sie hat sich bereits in der Vergangenheit den Zorn von Muslimen zugezogen, indem sie islamische Sitten kritisierte sowie die Weigerung muslimischer Familien, sich der niederländischen Lebensart anzupassen.

Wie die niederländischen Zeitungen berichten, werden in dem Brief auch der Fraktionschef der Liberalen im Parlament, Jozias van Aartsen, und der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen genannt. Der Brief mit der Drohung war mit einem Messer in den Körper van Goghs gerammt worden. Die Behörden haben nach Angaben der Blätter die Sicherheitsvorkehrungen für die Bedrohten verschärft.

Neun Festnahmen nach Attentat auf van Gogh Der am Dienstag auf offener Straße ermordete Regisseur hatte nach dem Erscheinen seines Films bereits im August Morddrohungen erhalten. In Zusammenhang mit der Tat wurden neun Verdächtige festgenommen. Der Hauptverdächtige ist ein 26-Jähriger mit niederländischer und marokkanischer Staatsangehörigkeit.

tagesschau.de -  Stand: 05.11.2004 22:37 Uhr

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3768876_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

Grenzen der Toleranz

Bereits 1999 sagte er in einem Interview: «Ich glaube, dass der Islam eine Religion ist, die unsere Freiheiten bedroht. . . . Lasst es mich deutlich sagen: Ich glaube nicht, dass jeder Muslim gefährlich ist, und es wäre dumm, das zu denken. Es wäre aber noch dümmer, wenn man verneinen würde, dass unsere Freiheiten geschützt werden müssen.»

Zum Verhängnis wurde van Gogh wohl sein letzter Fernsehfilm, «Submission». Er brachte darin verschleierte nackte Frauenkörper ins Bild, auf die zum Hass oder zur Unterdrückung aufrufende Korantexte projiziert wurden.

5. November 2004, 02:13, Neue Zürcher Zeitung -

http://www.nzz.ch/2004/11/05/fe/page-article9YZR8.html

Die Verbindungen des mutmaßlichen Täters in die radikal-islamistische Szene werden dabei immer klarer. So hatte Mohammed B. gute Kontakte zu einer Gruppe von Islamisten, die bereits wegen eines geplanten Terror-Coups auf den Amsterdamer Flughafen in Haft sitzen und enge Kontakte zu al-Qaida pflegten. Zudem ging er in der vom Geheimdienst beobachteten al-Tawheed-Moschee im Osten Amsterdams ein und aus. Dort sollen nach Erkenntnissen der Fahnder regelmäßig Aufrufe zum gewaltsamen Kampf gegen die Ungläubigen gepredigt werden, so die Sicht der Behörden.


AP Gedenken an van Gogh Auch die festgenommene Gruppe von Männern, die seit mehreren Monaten in Haft sitzt, gehörte zu den regelmäßigen Besuchern der Moschee. Bei ihnen wurden im vergangenen Jahr bei der Festnahme Unterlagen und Skizzen gefunden, die auf eine Anschlagsplanung hinwiesen. Sie sollen auch Kontakte zu anderen Terror-Zellen, zum Beispiel in Spanien, unterhalten haben, berichteten niederländische Zeitungen am Donnerstag. Einige von ihnen sollen auch versucht haben, am bewaffneten Djihad in Tschetschenien teilzunehmen. Wie viele andere Terror-Touristen endete ihre Odyssee jedoch in der Ukraine, von wo sie nach Holland zurück geschickt wurden.

Viele Hinweise, keine Folgen

So detailliert jedoch die jetzigen Kenntnisse über das Umfeld des Täters sich auch anhören, so wenig Folgen hatten sie in der Vergangenheit. So tauchte der Name von Mohammed B. zwar nach Zeitungsberichten in mehreren Dossiers der Polizei auf, getan wurde aber nichts. Auch die am Mittwoch festgenommenen Männer waren bereits im Oktober 2003 einmal kurzzeitig festgenommen worden, da die Polizei Anschlagsplanungen vermutete. Nach ihrer Freilassung aber konnten sie weiter unbeobachtet in Amsterdam agieren - vielleicht sogar die Bluttat von Dienstagmorgen vorbereiten.

Mit rasierten Schädeln zogen Skinheads und Anhänger des getöteten Politikers Pim Fortuyn durch die Amsterdamer Straßen und skandierten ausländerfeindliche Parolen. Ausländer sind Parasiten, so lautet ihre Lehre aus dem Mord. Der Linke Theo van Gogh war bei weitem kein Freund dieser rechtsextremen Gruppen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,326411,00.html

Es war vor allem die Islamkritik seines im vergangenen Jahr im Fernsehen ausgestrahlte Films Submission, die dem populären Genrefilmer politische Kritik und Morddrohungen einbrachte. Er verfilmte ein Drehbuch der aus Somalia stammenden Parlamentarierin Ayaan Hirsi Ali, einer bekannten Aktivistin gegen die Frauenbeschneidung. Bereits im Jahre 2002 hatte van Gogh mit seinem Fernsehmehrteiler Najib en Julia, einer modernen Romeo-und-Julia-Geschichte, in das Milieu strenggläubiger Exil-Marokkaner begeben.

Theo van Goghs Filme entstanden schnell, mit geringen Mitteln und machten immer einen Punkt. Er war das enfant terrible des holländischen "Exploitation"-Films, einer Gattung, für die in den Siebzigern der heutige Hollywoodregisseur Paul Verhoeven gestanden hat.

Nur eine Viertelmillion Gulden kostete 1994 sein Telefonsex-Thriller 06, der es immerhin zu einer internationalen Auswertung brachte. Eine gute Portion Sex verkaufte seine wenigstens einmal jährlich erscheinenden Thriller wie De Peijnbank oder Baby Blue zumindest innerhalb des eigenen Marktes.

Für sein in diesem Jahr erschienenes Jugenddrama Cool besetzte er erstmals Johnny de Mol, den Sohn des "Big-Brother"-Produzenten. Er wird auch in der Hauptrolle der fiktionalisierten Fortuyn-Biografie O6-05 zu sehen sein, wenn dieser auf Video gedrehte Film in diesem Herbst in die niederländischen Kinos kommen wird. Auch wenn der angebliche Urgoßneffe des Malers Vincent van Gogh politisch die Gemüter entzweite, war die handwerkliche Qualität seiner stets effektsicheren Genrefilme in den letzten Jahren unbestritten.

http://www.f-r.de/ressorts/kultur_und_medien/feuilleton/?cnt=565584&sid=6ba6aff194679770986450feb8b6934e

Mutmaßlicher Attentäter verweigert die Aussage

Der mutmaßliche Attentäter verweigerte bei seinen Vernehmungen bisher die Aussage. Das teilte der Amsterdamer Staatsanwalt Leo de Wit mit. Die Justiz legt dem 26 Jahre alten Verdächtigen sechs Straftaten zur Last, darunter vor allem Mord und Mordversuche mit terroristischer Absicht sowie Mitgliedschaft in einer terroristischenVereinigung und terroristische Verschwörung.

Zusammen mit dem aus Amsterdam stammenden Niederländer marokkanischer Herkunft werden auch sechs weitere Verdächtige dem Richter vorgeführt. Ihnen wird ebenfalls Mitgliedschaft in terroristischen Organisationen sowie terroristische Verschwörung vorgeworfen. Die sechs waren in den vergangenen Tagen festgenommen worden. Sie kannten einander, teilte der Staatsanwalt mit. Zwei weitere Festgenommene wurden am Freitag wieder entlassen.

Quelle: tagesschau.de

http://www.swr.de/nachrichten/ts/oid3768876_mod1.html

Freitag 5. November 2004, 14:28 Uhr

Staatsanwalt wertet Mord an van Gogh als Terrorismus

Amsterdam (AP) Die niederländische Staatsanwaltschaft hat den Mord an Regisseur Theo van Gogh am Freitag als terroristischen Akt eingestuft. Der Hauptverdächtige solle in mindestens sechs Punkten angeklagt werden, sagte der leitende Staatsanwalt Leo de Wit in Amsterdam. Neben Mord werde Mohammed B. auch «Teilnahme an einer kriminellen Organisation mit terroristischen Grundzügen» zur Last gelegt. Er habe bislang die Aussage verweigert.

http://de.news.yahoo.com/041105/12/4a6c8.html


Bereits 1999 sagte er in einem Interview: «Ich glaube, dass der Islam eine Religion ist, die unsere Freiheiten bedroht. . . . Lasst es mich deutlich sagen: Ich glaube nicht, dass jeder Muslim gefährlich ist, und es wäre dumm, das zu denken. Es wäre aber noch dümmer, wenn man verneinen würde, dass unsere Freiheiten geschützt werden müssen.»

http://www.nzz.ch/2004/11/05/fe/page-article9YZR8.html Amsterdam - Er muss einer gewesen sein, der das Leben in vollen Zügen genossen hat, der vergangenen Dienstag ermordete Filmemacher, Regisseur und Kolumnist Theo van Gogh (47), ein Urgroßneffe des Malers Vincent van Gogh. Zwischen den Blumengebinden, Gestecken kleinen Kränzen, Fotos und Kondolenzschreiben die wildfremde Menschen als Ausdruck ihrer Trauer und Wut an der Stelle abgelegt haben, an der van Gogh nach den tödlichen Schüssen zusammensackte, finden sich auch Wein- und Cognacflaschen und eine Menge Bierdosen. Neben einer servierfertigen Champagnerflasche hat jemand ein von Halloween übrig gebliebenes Prachtexemplar eines Kürbisses gelegt. Auf einem Zettel steht: „Was ist der Wert unserer Meinungsfreiheit? 110 Kilo Theo van Gogh.“

Ein silbrig glitzerndes Behältnis für 16-Millimeter-Spulen soll daran erinnern, dass dem Ermordeten vermutlich sein Kurzfilm „Unterwerfung“ zum Verhängnis geworden ist, in dem frauenfeindliche Koransuren als Kalligraphien auf einem nackten Frauenkörper zu sehen sind.

Dessen Film über die Erniedrigung muslimischer Frauen findet er „poetisch, schön und vor allem wahr“.

http://www.ksta.de/servlet/CachedContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1099064211958&openMenu=987490165154&calledPageId=990463457062&listid=994347600305

"Ich mochte wirklich nicht, was er geschrieben hat", sagt eine 
Studentin. "Aber dieser Mord ist ein Anschlag auf unsere Freiheit."

Eine Kultur der Meinungsfreiheit, die van Gogh mit eigenen Mitteln zu bewahren versuchte: Mit Polemik. Der Filmemacher und Kolumnist provozierte, rüpelte gern und oft. Mitunter beleidigend. Es traf jeden: In den etablierten Parteien sah er ein "Gefolge von korrupten Pygmäen". Den Schriftsteller Leon de Winter, dessen jüdische Familie fast vollständig von den Nazis ausgelöscht wurde, schimpfte er einen "Messias ohne Kreuz", die grüne Amsterdamer Stadträtin Fatima Elatik eine "kopftuchtragende Gans". Van Gogh war eine Art niederländischer Hofnarr. Er war einer, der gegen das niederländische Konsenskartell des politisch korrekten Verschweigens unangenehmer Wahrheiten revoltierte.

Die Toleranz des teilnahmslosen Nebeneinander übertrug sich Jahrhunderte später auch auf die Gastarbeiter. Das teilnahmslose Nebeneinander sei Integration, dachten viele. Irrtümlicherweise, wie sich nun herausstellt. Etwa bei Mohammed B., dem mutmaßlichen Attentäter. 26 Jahre ist er alt, er wurde in Holland geboren, machte dort Abitur, studierte Betriebsinformatik. Eine Bilderbuchkarriere für ein Migrantenkind. Nach dem 11. September gab er sein Studium auf, und suchte sein Heil im Islam. Warum? Darüber rätseln viele in diesen Tagen. Nelleke Noordervliet sagt: "Es ist ein soziales Problem. Die Unterklasse sucht Erlösung in der Religion. Und so wird die Tradition zum einzigen Heimatland."

Ein schwieriges Heimatland. Das weiß auch die Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali. Sie weiß, was Unterdrückung im Namen des Koran bedeutet. Als kleines Mädchen wurde sie in ihrer Heimat Somalia beschnitten, ein Koranlehrer brach ihr den Schädel, als er das Kind züchtigte. Ihr streng gläubiger Vater wollte sie schließlich mit einem entfernten Verwandten in Kanada verheiraten, den sie noch nie gesehen hatte. Hirsi Ali setzte sich auf dem Hinflug nach Holland ab und beantragte Asyl. Sie studierte, später arbeitete sie als Sozialpädagogin, unter anderem mit vergewaltigten moslemischen Frauen. Heute sitzt sie für die rechtsliberale Partei VVD im Parlament in Den Haag und kämpft gegen die Unterdrückung im Namen des Koran.

Am Freitag wird der Inhalt des Bekennerschreibens bekannt. "Ich weiß sicher, o Niederlande, dass du mit Amerika und dem Westen untergehst", steht darin in fehlerfreiem Niederländisch. Und an Hirsi Ali gerichtet: "Dieser Brief, so Allah es will, ist ein Versuch, dich ein für allemal zum Schweigen zu bringen."

"Es ist ein Terrorakt, der mehr getötet hat, als nur einen Menschen", sagt Nelleke Noordervliet. Selbst die brüchige Kultur des Nebeneinander bröckelt nun. Das Land ist ratlos - auch die Intellektuellen. Es gibt viele Fragen, aber keine Lösungen. "Wie erreichst du Fundamentalisten? Wie erreichst du die Menschen, die ihre Frauen wegschließen?", sagt Noordervliet. Sie weiß es nicht. Die Politiker versuchen entschlossen zu handeln, gegen fünf weitere von ihnen sollen Todesdrohungen ausgesprochen worden sein, darunter Amsterdams Bürgermeister Job Cohen. Nun soll die Amsterdamer Al-Tawheed-Moschee, die Mohammed B. besuchte, geschlossen werden. Der Geheimdienst wird verstärkt fundamentalistische Islamisten beobachten.

Die Moslems gedachten van Goghs mit einem eigenen Trauermarsch. Und so gibt es spärliche Zeichen der Kommunikation.

Ausgerechnet zum Ausgang der Woche erinnert sich das freie Land wehmütig seiner Geschichte. In Rotterdam wird der Erasmus-Preis in Erinnerung an den großen europäischen Humanisten verliehen. Drei islamische Wissenschaftler erhalten die Auszeichnung in diesem Jahr. Unter ihnen der syrische Menschenrechtsaktivist Sadik Al-Asm. Seit Jahren kämpft er für eine säkulare Form des Islam. El-Azm wiederholt seine Thesen auf einem geschlossenen Kongress. Ein öffentlicher Vortrag wird kurzfristig abgesagt. Man könne für die Sicherheit nicht garantieren, heißt es.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/392910.html


Die niederländische Staatsanwaltschaft hat den Mord an Regisseur Theo van Gogh gestern als terroristischen Akt eingestuft. Der Hauptverdächtige solle in mindestens sechs Punkten angeklagt werden, sagte der leitende Staatsanwalt Leo de Wit in Amsterdam. Neben Mord werde Mohammed B. auch "Teilnahme an einer kriminellen Organisation mit terroristischen Grundzügen" zur Last gelegt.

Zwei der acht weiteren zunächst Festgenommenen wurden unterdessen wieder freigelassen. Sechs Personen sollen wegen Verschwörung zum Mord angeklagt werden, alle seien islamische Extremisten nordafrikanischer Herkunft, sagte de Wit. Nach Angaben des niederländischen Justizministeriums standen sie in Verbindung mit den Selbstmordanschlägen vom Mai vorigen Jahres in Casablanca. Damals waren 45 Menschen getötet und 100 verletzt worden. Laut Marokkos Behörden gehörten die Attentäter zur Gruppe "Salafia Jihadia" ("Der wahre heilige Krieg"). Eine Verbindung zum Terrornetzwerk al-Qaida von Ussama Bin Laden konnte damals nicht nachgewiesen werden. De Wit zufolge prüft die Polizei jetzt weitere Verhaftungen.

Donner erklärte, der fünfseitige "Offene Brief an Hirsi Ali" drohe Ungläubigen, Amerika, Europa, den Niederlanden und Hirsi Ali einen heiligen Krieg an. Der auf Niederländisch und Arabisch verfasste Brief erwecke den Anschein, als stamme er nicht von einer Einzelperson, sondern von einer Organisation. Dies sei Besorgnis erregend, sagte Donner.

http://www.taz.de/pt/2004/11/06/a0098.nf/text.ges,1


Der holländische Soziologe Thijl Sunier über den Mord an Theo van Gogh und seine Auswirkungen auf die Debatten um Integration und Islam in den Niederlanden

"Die Frage nach dem Mord an Theo van Gogh ist, wie man mit dem islamistischen Extremismus umgeht. Nach dem Mord an Pim Fortuyn hat man ja auch nicht den Tierschutz mit der Tat zusammengebracht, auch wenn der Täter offenbar ein radikaler Tierschützer war. Wir müssen da klar differenzieren: Es war die individuelle Tat eines Einzelnen."

taz: Viele Holländer sagen: Wir waren zu liberal, unsere Integrationspolitik ist gescheitert.

"Ja, aber ich teile diese Auffassung nicht. Gerade wurde im Parlament ein Papier debattiert, dass die Integrationspolitik der letzten 25 Jahre zusammenfasste. Das Fazit war: Wir haben eine ganze Menge erreicht. Man sollte also nicht die gesamte Integrationspolitik für solche Dramen verantwortlich machen."

"Wenn mir jemand sagt, man hätte in bestimmten Dingen härter durchgreifen müssen, dann frage ich: In welchen Dingen? Was wäre denn die Alternative gewesen?"

"Es gibt bei uns etwa islamische Schulen, die werden von einer Schulverwaltung ganz sorgfältig überprüft, so wie jüdische und christliche Schulen auch. Trotzdem denken manche Leute, hier würde ein radikaler Islam gelehrt."

taz: Was können muslimische Immigranten gegen den Radikalismus in ihren Kreisen tun?

"Sie tun eine Menge. Ich kenne eine Menge von Moscheevereinen und Organisationen, die in dieser Hinsicht sehr aktiv sind."

"Gerade die Muslime müssen akzeptieren, dass ihre Religion zum Thema öffentlicher Debatten geworden ist. Sie müssen sich also die notwendigen kommunikativen Fähigkeiten aneignen, um am öffentlichen Diskurs teil zu nehmen. Die Ermordung von Theo van Gogh hat dies noch dringlicher gemacht."

"Die Verfassung garantiert die Gleichheit der Religionen. Gleichheit wird hier eher definiert als Gleichberechtigung der unterschiedlichen Gemeinschaften - anders als in Frankreich, wo stärker auf die individuelle Gleichheit abgehoben wird. Manche denken deshalb, unser System hätte Ähnlichkeiten mit dem Multikulturalismus in Großbritannien. Aber wir hatten nie eine multikulturelle Gesellschaft. Muslime wurden zwar als eine homogene Gruppe angesehen. Aber das ist kein Multikulturalismus im eigentlichen Sinne."

taz Nr. 7507 vom 6.11.2004, Seite 16, 192 Zeilen (Interview), DANIEL BAX

http://www.taz.de/pt/2004/11/06/a0180.nf/text

In dem Kurzfilm "Submission" (Unterwerfung) hatten beide unter anderem nackte, durch Wundmale entstellte und mit Koransuren beschriebene Frauen auftreten lassen.

Dem Täter, der derzeit in einem Krankenhaus wegen einer Schußverletzung behandelt wird, die er sich bei seiner Festnahme zuzog, steht jetzt nicht nur eine Anklage wegen Mordes, sondern auch wegen terroristischer Aktivitäten bevor. In einem zweiten Brief, den er als "Abschiedsbrief" bei sich trug, hatte er in typischer Märtyrertradition geschrieben: "Mit Kugeln durchbohrt, in Blut getaucht. So wie ich es mir erhofft hatte", zitiert die Zeitung "Volkskrant".

VVD-Chef van Aartsen sagte mit Blick auf die Entwicklungen: "Jeder kann sehen, was Ayaan Hirsi Ali versucht hat, uns allen begreiflich zu machen. Wir haben den Dschihad im Land."

http://morgenpost.berlin1.de/inhalt/politik/story714370.html

The suspect allegedly is friends with Samir Azzouz, an 18-year-old Muslim of Moroccan origin awaiting trial on charges of planning a terrorist attack targeting a nuclear reactor and Amsterdam's Schiphol Airport, NOS Dutch television reported.

About 20,000 people poured into Amsterdam's central square to protest the attack. Many blew horns and whistles and banged pots and pans.

http://www.usatoday.com/life/people/2004-11-03-vangogh_x.htm


"Wir müssen sie vor dem Islam retten."

Diese Vehemenz erklärt sich vielleicht durch ihre Herkunft. Hirsi Ali wurde 1969 in Mogadischu in Somalia geboren - und stammt damit aus einer Kultur, die den Islam besonders fundamentalistisch interpretiert. So kommt die Beschneidung im Koran nicht vor, ist aber in Somalia noch immer Praxis.

Zudem hat Hirsi Ali schon als Kind erlebt, welche Folgen der politische Islam haben kann. Sie muss ihre Finger zu Hilfe nehmen, um die Bürgerkriege zu zählen, die sie in ihrer Jugend in Afrika erlebt hat: sechs.

Im Krieg ist kein Platz für Differenzierungen, das prägt Hirsi Ali bis heute. Sie kann den Islam nur als Islamismus wahrnehmen. Und sie ist überzeugt, dass die Islamisten nicht ruhen werden, bis sie die Welt und auch die Niederlande regieren: "Wahre Muslime sehen säkulare Staaten als sündige Staaten."

Rasch wird bei ihr jeder Muslim zum wahren Muslim und damit zum Islamisten. Daher fordert sie die Zwangsintegration aller Muslime in den Niederlanden: "Wir müssen sie vor dem Islam retten."

http://www.taz.de/pt/2004/11/06/a0166.nf/text

Man hat hier keine Angst vor Al-Qaida-Anschlägen, sondern davor, dass es im Land selbst explodiert. Die alltägliche Gewaltbereitschaft nimmt zu, selbst bei Bagatellen. Jetzt kommt ein Faktor hinzu, der explosiv wirken könnte: Die Spannungen zwischen Einheimischen und Einwanderern. Das köchelt seit langem. Das war in den Niederlanden über lange Zeit ein Tabuthema. Pim Fortuyn hat das aufgegriffen und wurde deshalb in Deutschland oft als Rechtspopulist dargestellt, was er gar nicht war.

Der in Amsterdam lebenden Historiker Amit das Gupta

WDR.de - 10.11.2004

Das Interview führte Stefanie Hallberg

http://www.wdr.de/themen/politik/international/niederlande/interview_das_gupta.jhtml

Van-Gogh-Film „06-05“ läuft zuerst im Internet

Das letzte Werk des am Dienstag in Amsterdam ermordeten Filmemachers Theo van Gogh, das sich mit dem 2002 ermordeten Politiker Pim Fortuyn beschäftigt, wird zuerst im Internet gezeigt. Der gerade fertig gestellte Film mit dem Arbeitstitel „06-05“, der im Februar 2005 in die Kinos kommen soll, läuft im Netz bereits am 12. Dezember – allerdings nach derzeitigem Stand nur für die Kunden des Internet-Providers Tiscali. „06-05“ wäre damit der erste holländische Film überhaupt, dessen Premiere im Internet liefe.

In dem Film hat der 47-jährige van Gogh eine direkte Verbindung zwischen den Mördern an Fortuyn und dem holländischen Geheimdienst hergestellt, die den Populisten angeblich zum Schweigen bringen wollten.

Die Seite zum Film unter:

www.0605defilm.nl

http://www.tagesspiegel.de/medien/index.asp?gotos=http://archiv.tagesspiegel.de/toolbox-neu.php?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/06.11.2004/1463360.asp

Es irrt, wer zu direkt eine Verbindungslinie zwischen offener Gesellschaft und dem Aufkeimen von Gewalt zieht. Morde wie diese können überall geschehen. Nach allem, was man weiß, war der Mörder des niederländischen Politdandys Fortuyn ein krankhafter Tierschützer, und auch der Mörder der schwedischen Außenministerin Lindh scheint ein Einzeltäter gewesen zu sein.

Gleichgültig, ob der Täter in ein islamistisches Terrornetzwerk verwickelt war oder nicht - der Mord zog mit Macht eine bisher nicht vollends zugelassene Erkenntnis ans Licht der Öffentlichkeit: In läßlicher, bequemer Liberalität ist das Land bisher zu nachsichtig mit den Schattenseiten umgegangen, die jede Einwanderungsgesellschaft aufweist und die - wie alle Erfahrung zeigt - dann um so größer sind, wenn es sich bei der Mehrheit der Eingewanderten um Muslime handelt.

Nach einem halben Jahrhundert forcierten Wohlgefallens steht das liberale Credo zur Debatte.

Doch es geht nicht nur um Einwanderung im allgemeinen. Theo van Gogh sagte vor fünf Jahren: "Ich glaube, daß der Islam eine Religion ist, die unsere Freiheiten bedroht. Laßt es mich deutlich sagen: Ich glaube nicht, daß jeder Muslim gefährlich ist, und es wäre dumm, das zu denken. Es wäre aber noch dümmer, wenn man verneinen würde, daß unsere Freiheiten geschützt werden müssen."

Es steht (muslimische) Gemeinschaft gegen (laizistische) Gesellschaft. Leider ist jene vitaler als diese. Das sollte sich ändern.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2004, Nr. 260 / Seite 1

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E6ED73B51E9A941E4BBDC1934DB6506A6~ATpl~Ecommon~Scontent.html

"Ich frage mich, wie lange Einheimische noch willkommen sind in Amsterdam", schrieb van Gogh noch in einem Text vom 22. Oktober dieses Jahres: Auch er, entnervt von Morddrohungen, war gejagt von den Furien der Angst. Dem Bürgermeister von Amsterdam, Job Cohen, der nach den Anschlägen vom 11. September den Dialog mit Islamisten suchte, warf er vor, er sei ein durchtriebener Zyniker, demoralisiere die Stadt und hetze die Gruppen gegeneinander auf. "Cohen kroch vor den Gläubigen und beteuerte: ,Ihr gehört zu uns!', statt zu fragen: ,Was tut ihr eigentlich hier?' " Cohen hätte also die Muslime aus Amsterdam verjagen sollen: Pogrom statt Dialog. Islamisten, so van Gogh in seinem letzten Text, sind "Zuhälter des Propheten", "religiöse Faschisten", "Schuhputzer Allahs". Dem Mord ging ein Gemetzel der Worte voraus.

taz Nr. 7510 vom 10.11.2004, Seite 11, 247 Zeilen (Kommentar) - Klaus Kreimeier

 

Jurriaan Fransman

http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0175.nf/text

Van Gogh und die Menschenrechte

Haben Sie schon mal etwas mitbekommen davon, dass der Sozialismus und damit auch die Sozialdemokratie aus der Aufklärung hervorgegangen sind? So etwa vor 200 Jahren, als man jedermann das Recht einräumte, ungläubig zu sein, das heißt, nicht zu knien vor Gott, Jahwe, Allah - oder wer auch sonst dem menschlichen Aberglauben entsprungen ist? Und dass damit auch das Recht des Ungläubigen, sich über den Glauben lustig zu machen, ein Recht für alle Menschen geworden ist?"
 Theo van Gogh in einem offenen Brief an die aus Marokko stammende sozialdemokratische Amsterdamer Stadträtin Fatima Elatik, Dezember 2000

...Polemik und Satire, auch die Schmähschrift gegen Gläubige oder Andersgläubige sind gedeckt durch das Grundrecht auf die freie und unbehinderte Meinungsäußerung in Wort, Schrift und Bild. Allerdings begibt sich jeder, der seine Meinung öffentlich macht, in die Arena des ideologischen Kampfes. Wenn er andere verletzt, sollte er wissen, dass er verletzt, weil er verletzen will. Und wenn er provoziert, weiß er oder sollte er wissen, dass er die Reaktionen auf seine Provokation weder berechnen noch kontrollieren kann.

Theo van Gogh - und dies ist seine Tragik - wähnte sich im Krieg: in einer finalen Auseinandersetzung, die keine Alternativen, keine Verhandlungen, keine Spielräume zulässt - und unterwarf sich damit dem Diktat, das Extremisten in den westlichen Gesellschaften durchsetzen wollen.

taz Nr. 7510 vom 10.11.2004, Seite 11, 247 Zeilen (Kommentar) - Klaus Kreimeier

http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0175.nf/text

Niemand verletzt - Polizei sieht Zusammenhang mit Van-Gogh-Mord

In einer Koran-Schule in der niederländischen Stadt Eindhoven ist am frühen Montagmorgen eine Bombe explodiert. Dabei wurde erheblicher Schaden am Eingang des Schulgebäudes angerichtet, teilte die Polizei mit.

Die Behörden sehen den Anschlag im Zusammenhang mit dem Attentat vor einer Woche auf den islamkritischen Filmregisseur Theo van Gogh in Amsterdam

Während der vergangenen Tage sind in mehreren niederländischen Städten Moscheen beschädigt oder beschmiert worden. Dabei wurde zwei Mal Feuer gelegt, das aber keinen wesentlichen Schaden anrichtete. Eine dritte Moschee wurde mit höhnischen Texten und Darstellungen beschmiert, teilte die Polizei mit.

http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/2/0,1367,POL-0-2211298,00.html


Brennende Moscheen

Anschläge auf muslimische Einrichtungen nach dem Mord an Theo van Gogh

Die Befürchtungen, dass nach dem islamistisch motivierten Mord an Theo van Gogh die Stimmung in den Niederlanden sich gegen Muslime als solche richten könnte, sind leider wahr geworden: Am Wochenende wurden drei Brandanschläge auf Moscheen in Huizen, Breda und Rotterdam verübt, es wurden Schweineköpfe und islamfeindliche Parolen an die Türen weiterer Moscheen genagelt und am Montag explodierte ein Sprengsatz in der Nähe einer Koranschule in Eindhoven.


Bereits letzte Woche distanzierten sich niederländische islamische Organisationen deutlich von dem Mord. Doch nun wird die Tat zum Vorwand für ausländerfeindliche und antimuslimische Übergriffe missbraucht.

Der niederländische Regisseur van Gogh wurde vergangene Woche auf offener Straße hingerichtet. An seine Leiche heftete der Attentäter ein fünfseitiges Bekennerschreiben, das noch weitere Morddrohungen enthielt. Auch gegen die Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali, die das Drehbuch zu van Goghs letztem Film "Submission" schrieb. Van Gogh und Hirsi Ali kritisierten darin die Behandlung von Frauen im Islam. Der Täter ist vermutlich ein niederländischer Islamist mit marokkanischem Pass. Die Polizeit schließt jedoch nicht aus, dass es sich nicht um einen Einzeltäter, sondern um eine Organisation handelt, die hinter dem Anschlag auf van Gogh steckt.

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/72656/index.html

 

Inzwischen kam im Radio, das die Gruppe,die für die Anschläge im Sinai verantwortlich zeichnet nun den Niederlanden mit Anschlägen droht, wenn weitere Übergriffe gegen Moslems in den Niederladen stattfinden. Eine radikalislamische Gruppe, die sich Tawhid-Brigaden nennt, drohte heute mit Anschlägen in den Niederlanden.

http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0076.nf/text

Vor van Goghs Trauerfeier erneut Anschläge

Zwei Brandanschläge auf niederländische Kirchen. Islamistische Gruppierung droht im Internet mit neuer Gewalt

http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0063.nf/text

http://www.taz.de/pt/2004/11/10.nf/ressort.q,TAZ.re,sw TAZ Reportage

Aber van Gogh beleidigte nicht nur die Muslime, auch die Juden schonte er nicht. Am Tag nach seinem Tod erinnerte der Schriftsteller Remco Campert an eine andere Sottise von van Gogh: "Was stinkt es hier nach Caramel, sie verbrennen heute wohl die zuckerkranken Juden." Diese Zitate sind so befremdlich, dass der "Dorfnarr", wie sich van Gogh selbst nannte, den meisten Niederländern fremd blieb.

http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0154.nf/text

http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0155.nf/text

Van Gogh und die Menschenrechte DAS SCHLAGLOCH von KLAUS KREIMEIER Haben Sie schon mal etwas mitbekommen davon, dass der Sozialismus und damit auch die Sozialdemokratie aus der Aufklärung hervorgegangen sind? So etwa vor 200 Jahren, als man jedermann das Recht einräumte, ungläubig zu sein, das heißt, nicht zu knien vor Gott, Jahwe, Allah - oder wer auch sonst dem menschlichen Aberglauben entsprungen ist? Und dass damit auch das Recht des Ungläubigen, sich über den Glauben lustig zu machen, ein Recht für alle Menschen geworden ist?"

Theo van Gogh in einem offenen Brief an die aus Marokko stammende sozialdemokratische Amsterdamer Stadträtin Fatima Elatik, Dezember 2000

http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0175.nf/text

Der Erbe von Pim Fortuyn

Der niederländische Politiker Geert Wilders galt als Witzfigur, doch jetzt hätte er mit einer Rechtspartei Chancen

http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0186.nf/text

PORTRAIT Geert Wilders http://www.taz.de/pt/2004/11/10/a0187.nf/text

Polizisten in Den Haag bei Anti-Terror-Einsatz verletzt

Moschee und Koranschule beschädigt

Bei einer Anti-Terror-Aktion der niederländischen Polizei im Zentrum von Den Haag sind am Mittwochmorgen zwei Beamte erheblich verletzt worden. Ein Sprecher teilte mit, bei einer versuchten Festnahme in einem alten Stadtviertel gegen drei Uhr morgens sei eine Handgranate geworfen worden.

Der Regisseur war am Montagabend beigesetzt worden. Nur Stunden nach der Beisetzung hatten Unbekannte wieder in einer Koranschule sowie einer Moschee Feuer gelegt. Auf die Wände der völlig niedergebrannten Schule in Uden bei Eindhoven schrieben sie noch "Theo, ruhe in Frieden".

Feuer in der Moschee

In Heerenveen im Norden der Niederlande wurde ein Brand in einer Moschee frühzeitig gelöscht. Auch in einer Kirche in Boxmeer unweit der deutschen Grenze bei Goch wurden Flammen schnell gelöscht. Bereits an den Vortagen hatte es Anschläge auf Moscheen, Koranschulen und Kirchen gegeben.

Zugleich hat es Übergriffe gegen christliche Kirchen gegeben. So brannte am Dienstagabend eine Kirche in Boxmeer, ebenfalls vermutlich nach Brandstiftung. Am Vortag war versucht worden, vier andere Kirchen in den Niederlanden anzuzünden. In allen Fällen blieb der Schaden begrenzt.

http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/15/0,1367,MAG-0-2212015,00.html

Anti-Terror-Einsatz in Den Haag beendet

Polizisten durch Handgranate verletzt - Drei Männer festgenommen

Es war unklar, ob der Einsatz im Zusammenhang mit der Ermordung des niederländischen Regisseurs Theo van Gogh stand. http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/15/0,1367,MAG-0-2212015,00.html

Weitere Brandstiftungen

Niederlande rüsten sich gegen radikale Gewalt

Die niederländische Regierung will nach dem Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh schärfer gegen gewaltbereite Extremisten vorgehen. Dies haben die für die Innere Sicherheit zuständigen Minister angekündigt.

Nach Angaben der Minister für Inneres, Justiz und Ausländerfragen soll der Verfassungsschutz mehr Geld für Personen- und Objektschutz erhalten. Außerdem soll gesetzlich die Möglichkeit geschaffen werden, Bewohnern des Landes mit doppelter Staatsbürgerschaft die niederländische Nationalität zu nehmen. Zudem wolle die Regierung Moscheen schließen, von denen Störungen der öffentlichen Ordnung ausgehen. Imame, die radikale Ideologien predigen, sollen nicht ins Land gelassen oder ausgewiesen werden.

Unterdessen wurden neue Gewalttaten als Folge des Mordes an Van Gogh bekannt. Nach Angaben der Polizei war in der Nacht zuvor ein Molotow-Cocktail in eine reformierte Kirche in Rotterdam geworfen worden, hatte aber keinen Brand ausgelöst. In einer protestantischen Kirche in Utrecht war ein Brandsatz schnell gelöscht worden. In einer katholischen Schule in Eindhoven brannte am Abend ein Klassenzimmer aus. In Venray wurden außerdem zwei Männer mit Molotow-Cocktails im Auto festgenommen. Sie wollten angeblich einen Anschlag auf eine Moschee verüben.

Bei Anti-Terror-Einsätzen in drei Städten hatte die niederländische Polizei zuvor sieben Verdächtige festgenommen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Den Haag sagte, vier von ihnen seien in Amsterdam gefasst worden, ein weiterer Verdächtiger in Amersfoort im Zentrum des Landes. Zwei Männer hatte die Polizei in Den Haag festgenommen, nachdem sie nach fast 15-stündiger Belagerung das Haus gestürmt hatte, in dem diese sich verschanzt hatten.


http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3782782_REF3,00.html


http://www.stern.de/politik/ausland/?id=532130&nv=cp_L2_tt

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten_aktuell/?cnt=587141

Weitere Artikel und Kommentare

(Artikel mit Szenenfoto aus Submission)

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/72585/index.html

"Das Komische ist, ich habe nur immer meine Meinung gesagt. Ich wollte überhaupt nicht provozieren. Erstaunlicherweise gehen die Leute immer gleich zum Richter oder zum Anti-Diskriminierungsbüro. Ich hab so etwas in meinem Leben noch nicht gemacht." (Theo van Gogh, 2000)

„Dies ist ein Attentat auf das Wort, auf die Freiheit, das ist etwas ganz Anderes. Theo war kein Politiker, er hatte keine Macht. Er hatte nur seine Stimme und seinen Bleistift – und seine Kamera.“ (Gijs van de Westelaken/ Freund von Theo van Gogh)

"Wenn man sich dazu entschließt in Holland zu wohnen, dann muss man die Grundwerte dieses Landes teilen. Und wenn man die nicht teilen will, dann gibt es hier keinen Platz. Dann sollte man morgen die Koffer packen!" (Ahmed Aboutaleb/ Sozialdezernent Amsterdam)

Zwar haben sich islamische Organisationen in den Niederlanden deutlich von dem Mord distanziert, es wird aber befürchtet, dass sich die gesellschaftliche Stimmung gegen alle Muslime kehrt. Rechte Parteien scheinen von dem Mord zu profitieren.

http://www3.mdr.de/kulturreport/071104/thema_gogh.html

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/72656/index.html

http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/72533/index.html

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3776538_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3776538_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3768876_TYP1_NAV_REF1,00.html

http://www.wams.de/data/2004/11/07/356870.html

http://de.news.yahoo.com/041107/281/4a7wj.html

http://www.wams.de/data/2004/11/07/356909.html

http://www.swr.de/nachrichten/ts/oid3773308_mod1.html

http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EED222D3996FE49279067F7D05A9CB7EC~ATpl~Ecommon~Scontent.html

http://www.stern.de/politik/ausland/?id=532043&nv=cp_L2_tt

WAZ über die Anschläge auf Moscheen, etc. http://www.waz.de/waz/waz.standard.volltext.php?kennung=onaufwazPOLWelNational38298&zulieferer=waz&kategorie=TOP&rubrik=Welt®ion=National&auftritt=WAZ&dbserver=1

Kampf der Unkulturen

Holland ist überall: Der Mord an Theo van Gogh wird als eine Art Kulturkampf begriffen. Doch die Fronten des Konflikts verlaufen nicht zwischen "dem Islam" und "dem Westen"

Der Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh hat nicht nur die Niederlande aufgeschreckt. Weit über die holländischen Grenzen hinaus wurde die Tat als Fanal gewertet. Dass ein westlicher Islamgegner in einer europäischen Metropole auf offener Straße ermordet wurde, spricht für eine neue Qualität der Bedrohung durch islamistische Gewalt.

Der Täter war offensichtlich islamistisch aufgehetzt: Dafür spricht nicht nur die Symbolik der Tat, die ihn als einen verirrten Adepten irakischer Halsabschneider ausweist, oder das Bekennerschreiben, das, an der Mordwaffe am Tatort hinterlassen, in seiner bizarren Mischung aus Größenwahn und Gemeingefährlichkeit an die Botschaften anderer Bin-Laden-Schüler erinnert. Sondern auch die Erkenntnisse der Polizei, die von Kontakten des Täters zur radikalen Islamistenszene in den Niederlanden berichtet. Das alles macht die Tat des Mohammed B. zu einer Form von politischem Mord, wie man ihn in Europa nicht (mehr) zu kennen glaubte.

In vielen muslimisch geprägten Ländern leider schon: Die berüchtigte Fatwa des Ajatollah Chomeini, mit der dieser den Schriftsteller Salman Rushdie 1989 zum Abschuss freigab, hat dieser fast wie durch ein Wunder überlebt. Dafür sind zahlreiche religionskritische Intellektuelle in der muslimischen Welt von fanatisierten Häschern ermordet worden. Im Zuge der Rushdie-Affäre wurden in den frühen Neunzigerjahren in der Türkei mehrere prominente Islamkritiker ermordet. In Ägypten erlag 1992 der säkulare Schriftsteller Farag Foda einem Anschlag, sein prominenter Kollege Nagib Mahfus entging zwei Jahre später nur knapp einem Messerattentat. Ganz zu schweigen von den vielen Journalisten und Intellektuellen, die dem Bürgerkrieg in Algerien zum Opfer gefallen sind.

Diese Welle der Gewalt kann man als Teil eines brutalen Kulturkampfs sehen, der in vielen muslimisch geprägten Ländern tobt; als Zeichen des islamistischen Drangs nach zumindest kultureller Hegemonie.

Der Fall Theo van Gogh ist allerdings etwas anders gelagert und komplizierter. Hier hat ein religiöser Fundamentalist einen libertären Provokateur ermordet, der sich für rassistische Ausfälle nicht zu schade war. Theo van Gogh hat in seinen Kolumnen ein westliches Überlegenheitsgefühl ventiliert, das sich tabubrecherisch und aufklärerisch gerierte. Es ist kein Zufall, dass er nun selbst von holländischen Neonazis vereinnahmt wird, die in seinem Namen Moscheen anzünden.

Dieser Diskurs ist von zwei klaren Polen geprägt: hier der moderne, aufgeklärte "Westen", dort der rückständige, frauenfeindliche "Islam". Diese Einordnung unterstellt den muslimischen Einwanderern pauschal, nur sie hätten ein Problem mit der Moderne. Als ob es im niederländischen Parlament nicht eine christliche Partei gäbe, in der Frauen qua Satzung keine öffentlichen Ämter übernehmen dürfen. Als ob lediglich Marokkaner arrangierte Ehen mit Frauen aus ihrer alten Heimat eingehen würden und nicht auch weiße Niederländer per Katalog nach Ehefrauen aus Südostasien suchen. Als ob Homophobie und häusliche Gewalt allein unter Muslimen verbreitet wären und jugendliche Delinquenz auf den Koran zurückgehe.

Tatsächlich gibt es allerhand Koranpassagen, die sich frauenfeindlich lesen. Es gibt aber auch viele muslimische Autoritäten, und zwar selbst in europäischen Hinterhofmoscheen, die solche Passagen anders auslegen und Gleichberechtigung predigen. Sicher müssen sich Muslime, die in westlichen Gesellschaften leben, an deren säkulares Rechts- und Gesellschaftssystem anpassen. Aber die allermeisten tun das längst.

Weil muslimischen Migranten in den Niederlanden jedoch ständig das Gegenteil unterstellt wird, klingt die Rede von der angeblichen "holländischen Toleranz" etwas hohl. Spätestens seit Pim Fortuyn dürfte die "gefühlte Toleranz" der Niederländer weit größer sein als die reale, die muslimische Migranten im Alltag zu spüren bekommen.

Manche mögen Theo van Goghs derbes Schulhofvokabular als erfrischenden Bruch mit einer politisch korrekten Sprache empfunden haben, die seit Jahren fein säuberlich zwischen autochthonen (eingeborenen) und allochthonen (zugewanderten) Niederländern unterschied. Doch solche Sprachregelungen übertünchten nur notdürftig jene Vorurteile, die in Krisenzeiten offen zutage treten: Nun sprechen selbst linksliberale Holländer von ihren zugewanderten Nachbarn als Gäste, die sich gefälligst anzupassen hätten, sonst müssten sie raus.

Theo van Gogh hat Marokkaner gern als "Ziegenficker" tituliert. Das macht den grausamen Mord an ihm nicht weniger abscheulich. Aber es nimmt dem Toten den Nimbus, ein Held der Meinungsfreiheit gewesen zu sein - auch wenn diese Feststellung manchen bereits pietätlos erscheinen mag.

Sein zehnminütiger Film "Submission", der im Sommer im holländischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, zeigte nackte Frauenkörper unter transparenten Tschadorgewändern, auf die arabische Koranverse projiziert wurden; dazu wurden Beispiele von Gewalt gegen Frauen erzählt. Man stelle sich vor, Theo van Gogh hätte Bilder vom Palästinakonflikt mit Zitaten aus dem Alten Testament untermalt - eine Antisemitismusklage wäre ihm sicher gewesen.

Theo van Gogh könnte noch am Leben sein, wäre sein Mörder gegen ihn vor Gericht gezogen, statt sich in Lynchjustiz zu üben. Natürlich müssen sich auch Muslime in westlichen Gesellschaften gefallen lassen können, dass ihre Religion beleidigt oder verspottet wird. Doch die Erfahrung lehrt, wie schnell hate speech in Gewalt münden kann. Gerade nach dem Anschlag auf Theo van Gogh, nach brennenden Moscheen und Kirchen tut verbale Abrüstung deshalb Not. Denn radikale Gruppen lassen sich nur dann isolieren, wenn die Mehrheit zu einem Konsens findet. Natürlich haben westliche Gesellschaften ein Recht darauf zu erfahren, wie viele gewaltbereite Islamisten unter ihnen weilen. Aber das weiß die Mehrheit der gewöhnlichen Muslime auch nicht. Attentäter wie Mohammed B. zimmern sich ihre Do-it-yourself-Ideologie aus selektiv gelesenen Koranversen und radikalen Pamphleten zusammen und vernetzen sich über das Internet. Sie aufzuspüren und unschädlich zu machen ist letztlich eine Aufgabe für Polizei und Geheimdienste.

Auch sie werden nicht jeden einzelnen Amokläufer stoppen können. Deswegen kann so ein Anschlag leider immer und überall passieren. Ob Deutschland für eine solche Belastungsprobe gewappnet wäre? Schwer zu sagen. Wer liest, mit welcher Leichtigkeit deutsche Feuilletonisten bei solch einem Ereignis zu Samuel Huntingtons Floskel vom "Zusammenprall der Kulturen" greifen oder das Scheitern der multikulturelle Gesellschaft verkünden, dem kann schon etwas mulmig werden. Seltsamerweise hat niemand vom Zusammenprall der Kulturen gesprochen, als in Mölln und Solingen die ersten Türken verbrannt wurden. Der gemeinsame Boden ist offenbar dünn." DANIEL BAX

Auch Muslime
müssen sich gefallen
lassen, dass ihre
Religion verspottet
oder beleidigt wird --> Es ist kein Zufall,
dass Theo van Gogh
jetzt selbst von
holländischen Neonazis vereinnahmt wird -->

taz Nr. 7512 vom 12.11.2004, Seite 11, 241 Zeilen (Kommentar), DANIEL BAX

Daniel Bax, 34, ist Redakteur im Kulturressort der taz. Er schreibt über Themen im Spannungsfeld von Migration, Globalisierung und populärer Kultur und besitzt die niederländische Staatsbürgerschaft

taz Nr. 7512 vom 12.11.2004, Seite 11, 6 Zeilen (Portrait)

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Tod eines Meinungsfreien

Der Mord an Theo van Gogh hat eine lautstarke politische Diskussion entfacht. Der Blick auf sein Werk kommt so zu kurz. Dabei war van Gogh zuallererst Filmemacher, ein vom Kino Besessener. Die Unruhe seiner Ideen nahm von seinen Filmen Besitz VON DANA LINSSEN An dem Abend, als ich vom Mord an Theo van Gogh erfuhr, dauerte es lange, bis ich mir klar machte, was das bedeutete. Erschossen, erstochen, hieß es in den ersten Berichten. Später stellte sich heraus, dass beides zutraf. Grausam, barbarisch, rituell.

Tot - bedeutete das auch wirklich tot und nicht todstill oder mundtot? Das wäre für van Gogh wahrscheinlich noch schlimmer gewesen. Er war tot, ermordet, liquidiert, und zwar nicht als zufälliges Opfer - als ob das etwas beschönigen würde -, sondern zielbewusst. In den Niederlanden ist ein Filmemacher ermordet worden, und noch bevor ich etwas über den Täter oder dessen Motiv erfuhr, war eines sofort deutlich: Er wurde ermordet, weil er war, wie er war, als öffentliche Person. Weil er sagte, was er sagte, als Meinungsmacher. Weil er schrieb, was er schrieb, als Kolumnist. Und weil er tat, was er tat, als Filmemacher. Und in allem war er kompromisslos im Kampf gegen seinen Feind schlechthin: die Heuchelei.

Es war vor allem der Film "Submission Part 1", ein zehnminütiges Traktat, das er in diesem Sommer mit der rechtsliberalen Politikerin Ayaan Hirsi Ali für den öffentlichen Fernsehsender VPRO hergestellt hat, den der Tatverdächtige und mit ihm anscheinend eine komplette terroristische Zelle in den falschen Hals bekommen hat. Ein in islamischer Rhetorik verfasstes Pamphlet, das im Leichnam des Regisseurs steckte, machte klar, dass über den Islam nicht gespottet werden darf. Der Muslim-Fundamentalismus lässt weder Bildsprache noch Ironie zu, und besonders Letztere war van Goghs liebste Waffe.

Theo van Gogh hatte viele Freunde, ebenso viele Feinde und genauso viele Gesichter, wie er für seine vielen Berufe brauchte. Er genoss das Spiel als Doktor Jekyll und Mister Hyde. Er liebte es zu polemisieren, Situationen auf die Spitze zu treiben, zu schockieren - er nannte Muslime ständig Ziegenficker. Alles Eigenschaften, die ihm als Filmemacher mehr Nuancen entlockten als seiner Arbeit als Kolumnist. Doch gerade in dieser Eigenschaft stieß er in den letzten Jahren auf den größten Widerhall, in der Gratis-Tageszeitung Metro und auf seiner Website www.degezonderoker.nl [der gesunde Raucher, A. d. Ü.]. Er führte einen Kleinkrieg gegen religiösen Fundamentalismus, besonders gegen die extremen Auswüchse des Islam, die er lange vor dem 11. September 2001 in den Niederlanden auftauchen sah, auch in der Stadt Amsterdam, die er tagsüber auf dem Fahrrad und nachts im Taxi durchstreifte. Am rechtspopulistischen Politiker Pim Fortuyn bewunderte er die Schamlosigkeit, mit der dieser das Scheitern der sozialdemokratischen Kulturdominanz anprangerte.

Dass Fortuyn am 6. Mai 2002 ermordet wurde, verhärtete seine Haltung. Van Gogh polemisierte und politisierte. Neben der muslimischen Bedrohung sah er auch ein Linkskomplott, das darauf aus war, die demokratischen Werte der Niederlande zugrunde zu richten, vor allem den einen: die Meinungsfreiheit. Das führte manchmal zu wunderlichen Situationen, so etwa, als er für den Rotterdamer Imam Khalil El Moumni eintrat. Und obwohl er das multikulturelle Zusammenleben verabscheute, predigt seine Fernsehserie "Najib & Julia" (2002) beinahe die interkulturelle Liebe, indem sie eine moderne Romeo-und-Julia-Geschichte in einem kleinbürgerlichen Stadtteil von Den Haag erzählt. Für "Cool" (2004) filmte er mit jungen Straftätern aus dem Migrantenmilieu. Es waren billige, dank DV-Kamera schnell gedrehte Produktionen, in denen er nah an seine Hauptfiguren herankam und sich für die zugrunde liegenden dramatischen Verhältnissen interessierte zwischen Tätern und Opfern, Männern und Frauen, Jägern und Beute.

Van Gogh, ein Ururneffe des niederländischen Malers Vincent van Gogh, ist in den letzten Jahren teils notgedrungen vom Pfad der Filmästhetik abgekommen. Die zähen Vorschriften bei der Spielfilmförderung ärgerten ihn maßlos, weshalb er seine Filme lieber selbst aus den Erlösen seiner Schreib- und Fernseharbeit finanzierte. Seit seinem stilvollen, in Schwarz-Weiß gedrehten Debüt "Lüger" (1982) über einen Gangster in Den Haag galt er in der niederländischen Filmwelt als Besessener. Den "holländischen Fassbinder" nannte man ihn, und diese Verbindung mit dem destruktiven Genie hat ihm sichtlich gefallen.

Wie der Erstling sorgten auch seine nächsten Arbeiten für Kontroversen, die Verfilmung von Heere Heersmas melancholischer Erzählung in "Een dagje naar het strand" ("Ausflug zum Strand", 1984) über einen älteren Alkoholiker und "Charly" (1986) über zwei allein erziehende Sozialhilfeempfängerinnen, die Männer nach Hause mitnehmen, um sie zu foltern und zu vergiften. Die Filmkritik spaltete sich in diejenigen, die ein Potenzial in dem ungezähmten Talent sahen, und in andere, die dadurch abgeschreckt wurden.

Dies blieb prägend für sein Verhältnis zum Film-Establishment, das er stets mit Argwohn betrachtete. Kaum dass er die Chance erhielt, mit einem größeren Budget "Terug nach Oegstgeest" ("Zurück nach Oegstgeest") von Jan Wolkers zu verfilmen, die Erzählung über einen Mann, der am Sterbebett seines Vaters auf seine calvinistische Jugend in den Dreißigerjahren zurückblickt, schien sich sein Ruf zu festigen. Es war 1987, und die Enttarnung der christlichen Scheinheiligkeit stand in Film und Literatur auf der Tagesordnung. Wirkliche Anerkennung erwarb er in den 90ern, als er sich wieder von den großen Budgets und dem Produzentenkino abwandte. Auf eigene Rechnung drehte er "06" (1993) über Telefonsex, einen spannenden Dialog zwischen einem Mann und einer Frau, und "Blind Date" (1996), in dem es um den Kampf der Geschlechter ging und mit dem er sein erstes Goldenes Kalb gewinnen sollte, den wichtigsten niederländischen Filmpreis.

Am 12. Dezember wird als erster Film in der Geschichte der Niederlande im Internet postum sein Film über den Mord an Pim Fortuyn uraufgeführt. Einen Monat später folgt die Kinopremiere, wonach "0605" auch auf dem Internationalen Filmfestival in Rotterdam aufgeführt werden wird. Am Abend seines Todes war van Gogh auf dem Weg in sein Produktionsbüro, um sich eine erste Schnittfassung dieses Films anzuschauen. Er soll als Schlüssel zu seinem Oeuvre gelten: sein erster (und letzter) Film, in dem er sein politisches Engagement auch künstlerisch darzustellen versuchte. Schlussendlich wird van Gogh als Ideenfilmer in die Geschichte eingehen, als jemand, der um das Recht stritt, seine Ideen zu äußern. Es ist bitter zu konstatieren, dass der im Alter von 57 Jahren grausam ermordete Cineast zeit seines Lebens so eilig seine Ideen zu verwirklichen suchte, dass seine Filme manchmal zu viel von seiner Unruhe preisgaben.

Jenseits des Lärms der politischen Diskussion bleibt das Werk von jemandem, der sich vor allem als Filmemacher betrachtete, der mit geringem Aufwand in "Interview" (2003) einen Darsteller aus einer Soap Opera sich mit einem klassischen Theaterschauspieler duellieren ließ und der vor allem ein Humanist und im alltäglichen Umgang ein warmherziger Mensch war.


Die Autorin ist Chefredakteurin der Zeitschrift Filmkrant und Filmkritikerin für die Tageszeitung NRC Handelsblad. Übersetzung: Dietmar Bartz

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Entgrenztes Entsetzen

Holland ist überall (2): Der radikale Islamismus ist eine ernsthafte Herausforderung. Doch die Debatte in Deutschland wird von antimuslimischen Tönen überlagert

Die Hinrichtung Theo van Goghs war bestialisch. Erschossen, erstochen, aufgespießt. Auch vierzehn Tage nach dem Drama in Amsterdam steht die Öffentlichkeit noch immer unter Schock. Und man könnte den Eindruck gewinnen, dieser Holländer aus Marokko hätte eine neue Dimension der politisch motivierten Gewalt in unsere europäische Mitte gebracht.

In Holland mag diese Sicht auf die Ereignisse legitim sein. Aber in Deutschland mutet das entgrenzte Entsetzen seltsam an. Schließlich sind die Deutschen so etwas wie Spezialisten variantenreicher Menschenschlächterei. Nein, nicht nur in den Jahren zwischen 1933 und 1945. Auch zwischen 1989 und 1993 demonstrierten die meisten Bundesbürger erstaunliche Gelassenheit, als ihre Jungnazis mehr als 100 Angolaner, Türken, Rumänen, Linke und Obdachlose bei lebendigem Leib verbannten, zerstückelten, zu einem Brei aus Fleisch und Knochen zerschlugen. Oder versuchten, dutzende von Vietnamesen bei lebendigem Leib zu grillen. Letzteres fanden Bürger in Rostock bekanntlich höchst amüsant, weshalb sie vor laufenden Kameras begeistert applaudierten.

Für die Tat von Amsterdam gibt es keine Legitimation. Und es ist alles in Bewegung zu setzen, den Täter zu bestrafen, und das ideologische Umfeld, dem er entstammt, zu bekämpfen. Entgegen der allgemeinen Aufregung bleibt dennoch festzuhalten: In dem Mord ist keine neue Dimension der Gewalt zu entdecken. Und er ist kein Beleg für das Scheitern der multikulturellen Gesellschaft oder die Aggressivität des Islam in Europa. Er ist ein ideologisch motiviertes Verbrechen, wie sie in den letzten zwanzig Jahren in Schweden, Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich und Deutschland zu hunderten verübt wurden. Von Rassisten und Neonazis, deren Welt- und Feindbilder denen der Islamofaschisten ähneln. Auch wenn die einen ihre Ungleichheitsideologie rassisch und die anderen religiös begründen, sind sie dennoch vereint im Frauenhass und Antisemitismus, der demonstrativen Stilisierung von Männlichkeit, der Ablehnung von Demokratie, Liberalität und selbstbestimmter Sexualität, um nur einige Gemeinsamkeiten zu nennen.

Angesichts der Parallelen in den Gedanken- und Gefühlswelten von Neofaschisten und Radikalislamisten verwundert es, wie wenig diese Gemeinsamkeiten erörtert werden. Erfahrungen und Strategien, die in Deutschland in der Vergangenheit bei der Bekämpfung neonazistischer und rechtextremistischer Gruppen gesammelt wurden, könnten zum Beispiel bei der Auseinandersetzung mit radikalislamistischen Milieus hilfreich sein. Statt das Naheliegende zu tun, erweckt die diskutierende Öffentlichkeit den Eindruck, als werde Europa vom Islamismus wie einst von den Hunnenstürmen überrollt.

Wer die vielstimmigen Debatten der letzten Wochen verfolgt, dem muss Angst und Bange werden. Aber nicht vor der islamistischen Herausforderung, die die Europäer in kindlicher Naivität und blauäugigem Gottvertrauen allzu lange ignorierten. In diesen Wochen geht es um den aufklärerischen und demokratischen Bestand Europas. Ein brandgefährliches Gebräu ist angerührt: Islam, Islamismus, EU-Beitritt der Türkei, Muslime, Parallelgesellschaften, Frauenunterdrückung, Nahost-Konflikt, Arafats Tod, das Ende der multikulturellen Gesellschaft, islamisierter Antisemitismus - alles wird in diesen Tagen in einen Topf geworfen und der gemeine Muslim, Türke, Araber, also unser Nachbar, als Sicherheitsrisiko an den Pranger gestellt.

Deutschland verändert sich. Anders als nach dem 11. September 2001, als die Zivilgesellschaft einer offenen Islamfeindlichkeit widerstand, wird die Tonlage nun schriller. Die Stimmung in der Gesellschaft wird stärker von Islamophobie und unverhohlenem antitürkischem und antiarabischem Rassismus bestimmt. Die Medien spielen dabei eine treibende Rolle. Nach den entsprechenden Debatten in den Qualitätszeitungen scheint es inzwischen als ausgemachte Sache, dass nicht nur die arabisch-muslimische Welt, sondern der Araber an und für sich reformunfähig, barbarisch und schlicht inkompatibel ist mit der Moderne. Folglich kommen für deutsche Medien arabische Intellektuelle, wenn überhaupt, nur dann als Gesprächspartner in Frage, wenn sie die Verkommenheit ihrer Gesellschaften bestätigen. Ein unwürdiges Spiel.

Ein weiteres Beispiel: Als vor ein paar Monaten das Problem des islamisierten Antisemitismus in Deutschland thematisiert wurde, war dies überfällig und richtig. Aber wer glaubte, das Problem würde nun wissenschaftlich seriös untersucht und in seiner quantitativen und qualitativen Dimension analysiert, der sieht sich getäuscht. Weder parteinahe und zivilgesellschaftliche Stiftungen noch wissenschaftliche Einrichtungen zeigen Interesse an dieser nahe liegenden Herausforderung. Ganz offensichtlich lässt sich mit Behauptungen und Hypothesen besser Politik betreiben als mit abgesicherten Fakten.

Der Marktwert von "Experten" wie dem Orientalisten Hans-Peter Raddatz, der sich in Argumentation und Wortwahl in nichts von rechtsextremistischen Publikationen unterscheidet, steigt in diesen Tagen. Zumindest für eine Kampagnenzeitung wie Die Welt, die sich dem antimuslimischen Kreuzzug verschrieben hat, kann keine These abstrus genug sein, um sie nicht zu drucken. Aber auch Hamburger Wochenzeitungen wie die Zeit tragen mit pseudoprovokativen Leitartikeln ihrer Chefredakteure getreu dem Motto "Man muss es den Türken und Arabern doch einmal sagen dürfen" zur gefährlichen innenpolitischen Polarisierung bei.

Nimmt man die publizierten Beschreibungen ernst, ergibt sich für Deutschland folgendes Bild: Das Land wird von durchgeknallten Türken und Arabern bewohnt, die sich weigern, Lesen und Schreiben zu lernen, ihre Töchter zwangsverheiraten und mit Mord und Totschlag für die Errichtung des Gottesstaates in ihren Parallelwelten kämpfen. Politisch, so wird in der Berichterstattung nahe gelegt, kann es nur darum gehen, wie man die Sache schnell in den Griff bekommt beziehungsweise die Muslime ganz loswird, bevor der offene Bürgerkrieg ausbricht.

Als Journalist, der seit Jahrzehnten Konfliktlinien der interkulturellen Gesellschaft beschreibt, den publizistischen Nahkampf mit Neonazis und Islamisten sucht und als Bewohner eines Kiezes in Kreuzberg, in dem mehr als sechzig Prozent der Nachbarn Muslime sind, gestehe ich mir folgendes Urteil zu: Seit langem ist nicht mehr so viel Unsinn über die multikulturelle Gesellschaft veröffentlicht worden wie in diesen Tagen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und den Qualitätszeitungen.

Die Stimmung erinnert an die frühen Achtzigerjahre, als die politische und publizistische Elite in Deutschland einen antitürkischen Diskurs pflegte. Zur Erinnerung: Die Folgen waren rassistische Morde, die Mobilisierung der Straße und ein auf Jahre vergiftetes innenpolitisches Klima. " EBERHARD SEIDEL

Beim Kampf gegen Islamisten sollte man aus Erfahrungen mit dem Rechtsextremismus zurückgreifen --> Schon lange ist nicht mehr so viel Unsinn über die multikulturelle Gesellschaft veröffentlicht worden -->

taz Nr. 7515 vom 16.11.2004, Seite 12, 241 Zeilen (Kommentar), EBERHARD SEIDEL

taz muss sein: Was ist Ihnen die Internetausgabe der taz wert?

Antwerpen - Das Tragen der Burka steht in Antwerpen ab sofort unter Strafe. Die Polizei in Belgiens zweitgrößter Stadt wird Frauen, die sich mit dem afghanischen Traditionsgewand von Kopf bis Fuß verhüllen, künftig auf das Vermummungsverbot in der Öffentlichkeit hinweisen.

 

Außerdem müssten die Beamten die Identität der Burka-Trägerinnen feststellen, berichtete die flämische Zeitung "Het Laatste Nieuws" am Samstag. Im Wiederholungsfall drohe eine Geldbuße. Das Tragen eines Kopftuchs ohne Schleier vor dem Gesicht werde "vorläufig" noch nicht als Gesetzesbruch verfolgt. (APA/dpa)

Der Standart.at vom 14.11.

http://derstandard.at/?url=/?id=1857692

Die Grünen haben sich für einen islamischen Feiertag in Deutschland ausgesprochen. Dafür soll ein christlicher Feiertag abgeschafft werden.
Ein islamischer Feiertag bedeute eine gesellschaftliche Aufwertung für die mehr als drei Millionen Islamgläubigen in Deutschland. "solche Zeichen sind angesichts der Anschläge von Holland nötig", sagte Ströbele.

Stern - 16. November 2004
http://www.stern.de/politik/deutschland/?id=532340&nv=cp_L2_tt

Der vor zwei Jahren ermordete Rechtspopulist Pim Fortuyn ist vom niederländischen Fernsehpublikum zum "Größten Niederländer aller Zeiten" gewählt worden. Die Wahl Fortuyns zum "Größten Niederländer" löste im Fernsehstudio in Hilversum keinen Jubel aus. Selbst der Journalist Youri Albracht, der "Anwalt" Fortuyns in der Show war, sagte: "Die Wahl ist ein Signal, das in diesem Land etwas nicht stimmt."

krone.at  - 16. November 2004
http://www.krone.at/index.php?http://wcm.krone.at/krone/C00/S25/A7/object_id__24474/hxcms/

WAZ Düsseldorf. Mit Blick auf die Ereignisse in den Niederlanden fordert NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) von der deutschen Gesellschaft: "Keine Toleranz der Intoleranz".

"Fundamentalisten jedweder Richtung sind Gift für eine offene, freiheitliche und demokratische Gesellschaft", sagte Steinbrück im Gespräch mit der WAZ.

Mitglieder muslimischer Glaubensgemeinschaften müssten ein klares Bekenntnis zu den demokratischen Regeln in NRW ablegen. Es sei nicht zu tolerieren, wenn einzelne Gruppen gezielt versuchten, Parallelgesellschaften in Deutschland einzurichten. "Wenn da einer Scharia, einer religiösen Gerichtsbarkeit, das Wort geredet wird, dann wird versucht, unser Grundgesetz auszuhebeln und einen eigenen Rechtsraum im Lande zu schaffen. Das dürfen wir nicht zulassen."

15.11.2004   Von Peter Szymaniak

http://www.waz.de/waz/waz.standard.volltext.php?kennung=onaufwazPOLWelNational38305&zulieferer=waz&kategorie=TOP&rubrik=Welt®ion=National&auftritt=WAZ&dbserver=1 

Die belgische Senatorin Mimount Bousakla wird mit dem Tod bedroht und hält sich seitdem versteckt. Ein anonymer Anrufer soll der Sozialistin marokkanischer Abstammung damit gedroht haben, sie "rituell zu schlachten", berichteten belgische Zeitungen am Mittwoch. Bousakla hatte zuvor die Abschaffung des Muslimrats in Belgien gefordert, weil das Gremium nach der Ermordung des niederländischen Islamkritikers Theo van Gogh nicht zu Protesten aufgerufen hatte.

http://onnachrichten.t-online.de/c/27/99/57/2799578.html

Den Haag/Wiesbaden - Die Spuren der Mörder des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh führen auch nach Deutschland. Wie jetzt bekannt wurde, hat der 43 Jahre alte Syrer Redouan al-Issar, mutmaßlicher Anführer der islamistischen Terrorgruppe "Hofstad Netzwerk", die hinter dem Mord stehen soll, offenbar 1997 in Deutschland Asyl beantragt. Angeblich hielt er sich seitdem immer wieder im Asylbewerberheim Olsberg (Sauerland) auf.

http://www.abendblatt.de/daten/2004/11/18/365604.html

In den Niederlanden spitzen sich die Spannungen nach dem Mord an dem Regisseur und Publizisten Theo van Gogh in ungeheurem Ausmaß zu. Politiker, Medien und Teile der Intelligenz schüren dabei gezielt Fremdenfeindlichkeit. Von Jörg Victor
18. November 2004

http://www.wsws.org/de/2004/nov2004/gogh-n18.shtml

"Der Mord an van Gogh ist nur für Holland interessant"

Christoph Schlingensief wollte nie provozieren. Er glaubt aber, dass die Leute süchtig nach Provokation sind. Politikern und Medien in Deutschland wirft er vor, auf ein ähnlich "hartes Ereignis" wie den Mord von Amsterdam zu gieren. "Aufrufe im Sinne von "Tötet Herrn Sowieso", wie ich sie früher verwendet habe, interessieren mich nicht mehr", sagt Schlingensief im Interview mit der taz.

taz Nr. 7516 vom 17.11.2004, Seite 13, 245 Zeilen (Interview), SUSANNE LANG

http://www.taz.de/pt/2004/11/17/a0161.nf/text.ges,1

 

Die beiden in der vergangenen Woche festgenommenen mutmaßlichen islamischen Terroristen hatten offenbar auch Mordanschläge gegen den jüdischen Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen und einen aus Marokko stammenden Stadtrat geplant.

Nach dem Mord an dem Filmregisseur und Islamkritiker Theo van Gogh am 2. November waren die beiden Abgeordneten sowie der Amsterdamer Bürgermeister und Stadtrat unter Polizeischutz gestellt worden.

In Antwerpen wurde am Donnerstagmorgen der britische Sekretär eines Rabbiners niedergeschossen.

http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/31/0,1367,POL-0-2220383,00.html

Auch die Frage der Parallelgesellschaften islamischer Zuwanderer ist Thema des Treffens. Schily warnte vor solchen Strukturen, die in Deutschland bereits zu beobachten seien. "Darum müssen wir uns kümmern", sagte der Minister. Das müsse jedoch in einer selbstbewussten Weise geschehen: "Eine Gesellschaft, die sich ihrer Werte bewusst ist, kann in einer offensiven Weise Integrationspolitik betreiben." In der "Welt" hatte der SPD-Politiker zuvor erklärt: "Wenn sich eine Kultur aus dem gesellschaftlichen Gefüge des Gastgeberlandes herauslöst, dann wird es gefährlich. Ich warne vor Multi-Kulti-Seligkeit."

http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/20/0,1367,POL-0-2220468,00.html

"Holland ist überall"

Der bayerische CSU-Innenminister Günter Beckstein und der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, haben davor gewarnt, dass es in Deutschland wie in den Niederlanden zu Gewalt zwischen moslemischen Einwanderern und Einheimischen kommen kann. In Großstädten gebe es Gettos und Parallelkulturen, die Konflikte bergen, sagte Beckstein der "Bild am Sonntag".

http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/26/0,1367,POL-0-2214202,00.html

Tausende Musliminnen leben in Deutschland ohne Chance auf Integration. Sie verschwinden in einer Parallelwelt, die von fundamentalistischen Haustyrannen dominiert wird.
Kritiker warnen: Durch Naivität und Beflissenheit deutscher Gutmenschen verkommt der Dialog zwischen Christen und Muslimen zur "multireligiösen Schummelei". Islamisten stellen die Grundwerte der bürgerlichen Demokratie in Frage, die Integration der drittgrößten Glaubensgemeinschaft droht zu scheitern.
Dieses Dossier enthält das aktuelle Titelstück.

http://www.spiegel.de/archiv/dossiers/0,1518,327585,00.html

Kampf der Unkulturen

Holland ist überall: Der Mord an Theo van Gogh wird als eine Art Kulturkampf begriffen. Doch die Fronten des Konflikts verlaufen nicht zwischen "dem Islam" und "dem Westen"

Der Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh hat nicht nur die Niederlande aufgeschreckt. Weit über die holländischen Grenzen hinaus wurde die Tat als Fanal gewertet. Dass ein westlicher Islamgegner in einer europäischen Metropole auf offener Straße ermordet wurde, spricht für eine neue Qualität der Bedrohung durch islamistische Gewalt.

Der Täter war offensichtlich islamistisch aufgehetzt: Dafür spricht nicht nur die Symbolik der Tat, die ihn als einen verirrten Adepten irakischer Halsabschneider ausweist, oder das Bekennerschreiben, das, an der Mordwaffe am Tatort hinterlassen, in seiner bizarren Mischung aus Größenwahn und Gemeingefährlichkeit an die Botschaften anderer Bin-Laden-Schüler erinnert. Sondern auch die Erkenntnisse der Polizei, die von Kontakten des Täters zur radikalen Islamistenszene in den Niederlanden berichtet. Das alles macht die Tat des Mohammed B. zu einer Form von politischem Mord, wie man ihn in Europa nicht (mehr) zu kennen glaubte.

In vielen muslimisch geprägten Ländern leider schon: Die berüchtigte Fatwa des Ajatollah Chomeini, mit der dieser den Schriftsteller Salman Rushdie 1989 zum Abschuss freigab, hat dieser fast wie durch ein Wunder überlebt. Dafür sind zahlreiche religionskritische Intellektuelle in der muslimischen Welt von fanatisierten Häschern ermordet worden. Im Zuge der Rushdie-Affäre wurden in den frühen Neunzigerjahren in der Türkei mehrere prominente Islamkritiker ermordet. In Ägypten erlag 1992 der säkulare Schriftsteller Farag Foda einem Anschlag, sein prominenter Kollege Nagib Mahfus entging zwei Jahre später nur knapp einem Messerattentat. Ganz zu schweigen von den vielen Journalisten und Intellektuellen, die dem Bürgerkrieg in Algerien zum Opfer gefallen sind.

Diese Welle der Gewalt kann man als Teil eines brutalen Kulturkampfs sehen, der in vielen muslimisch geprägten Ländern tobt; als Zeichen des islamistischen Drangs nach zumindest kultureller Hegemonie.

Der Fall Theo van Gogh ist allerdings etwas anders gelagert und komplizierter. Hier hat ein religiöser Fundamentalist einen libertären Provokateur ermordet, der sich für rassistische Ausfälle nicht zu schade war. Theo van Gogh hat in seinen Kolumnen ein westliches Überlegenheitsgefühl ventiliert, das sich tabubrecherisch und aufklärerisch gerierte. Es ist kein Zufall, dass er nun selbst von holländischen Neonazis vereinnahmt wird, die in seinem Namen Moscheen anzünden.

Dieser Diskurs ist von zwei klaren Polen geprägt: hier der moderne, aufgeklärte "Westen", dort der rückständige, frauenfeindliche "Islam". Diese Einordnung unterstellt den muslimischen Einwanderern pauschal, nur sie hätten ein Problem mit der Moderne. Als ob es im niederländischen Parlament nicht eine christliche Partei gäbe, in der Frauen qua Satzung keine öffentlichen Ämter übernehmen dürfen. Als ob lediglich Marokkaner arrangierte Ehen mit Frauen aus ihrer alten Heimat eingehen würden und nicht auch weiße Niederländer per Katalog nach Ehefrauen aus Südostasien suchen. Als ob Homophobie und häusliche Gewalt allein unter Muslimen verbreitet wären und jugendliche Delinquenz auf den Koran zurückgehe.

Tatsächlich gibt es allerhand Koranpassagen, die sich frauenfeindlich lesen. Es gibt aber auch viele muslimische Autoritäten, und zwar selbst in europäischen Hinterhofmoscheen, die solche Passagen anders auslegen und Gleichberechtigung predigen. Sicher müssen sich Muslime, die in westlichen Gesellschaften leben, an deren säkulares Rechts- und Gesellschaftssystem anpassen. Aber die allermeisten tun das längst.

Weil muslimischen Migranten in den Niederlanden jedoch ständig das Gegenteil unterstellt wird, klingt die Rede von der angeblichen "holländischen Toleranz" etwas hohl. Spätestens seit Pim Fortuyn dürfte die "gefühlte Toleranz" der Niederländer weit größer sein als die reale, die muslimische Migranten im Alltag zu spüren bekommen.

Manche mögen Theo van Goghs derbes Schulhofvokabular als erfrischenden Bruch mit einer politisch korrekten Sprache empfunden haben, die seit Jahren fein säuberlich zwischen autochthonen (eingeborenen) und allochthonen (zugewanderten) Niederländern unterschied. Doch solche Sprachregelungen übertünchten nur notdürftig jene Vorurteile, die in Krisenzeiten offen zutage treten: Nun sprechen selbst linksliberale Holländer von ihren zugewanderten Nachbarn als Gäste, die sich gefälligst anzupassen hätten, sonst müssten sie raus.

Theo van Gogh hat Marokkaner gern als "Ziegenficker" tituliert. Das macht den grausamen Mord an ihm nicht weniger abscheulich. Aber es nimmt dem Toten den Nimbus, ein Held der Meinungsfreiheit gewesen zu sein - auch wenn diese Feststellung manchen bereits pietätlos erscheinen mag.

Sein zehnminütiger Film "Submission", der im Sommer im holländischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, zeigte nackte Frauenkörper unter transparenten Tschadorgewändern, auf die arabische Koranverse projiziert wurden; dazu wurden Beispiele von Gewalt gegen Frauen erzählt. Man stelle sich vor, Theo van Gogh hätte Bilder vom Palästinakonflikt mit Zitaten aus dem Alten Testament untermalt - eine Antisemitismusklage wäre ihm sicher gewesen.

Theo van Gogh könnte noch am Leben sein, wäre sein Mörder gegen ihn vor Gericht gezogen, statt sich in Lynchjustiz zu üben. Natürlich müssen sich auch Muslime in westlichen Gesellschaften gefallen lassen können, dass ihre Religion beleidigt oder verspottet wird. Doch die Erfahrung lehrt, wie schnell hate speech in Gewalt münden kann. Gerade nach dem Anschlag auf Theo van Gogh, nach brennenden Moscheen und Kirchen tut verbale Abrüstung deshalb Not. Denn radikale Gruppen lassen sich nur dann isolieren, wenn die Mehrheit zu einem Konsens findet. Natürlich haben westliche Gesellschaften ein Recht darauf zu erfahren, wie viele gewaltbereite Islamisten unter ihnen weilen. Aber das weiß die Mehrheit der gewöhnlichen Muslime auch nicht. Attentäter wie Mohammed B. zimmern sich ihre Do-it-yourself-Ideologie aus selektiv gelesenen Koranversen und radikalen Pamphleten zusammen und vernetzen sich über das Internet. Sie aufzuspüren und unschädlich zu machen ist letztlich eine Aufgabe für Polizei und Geheimdienste.

Auch sie werden nicht jeden einzelnen Amokläufer stoppen können. Deswegen kann so ein Anschlag leider immer und überall passieren. Ob Deutschland für eine solche Belastungsprobe gewappnet wäre? Schwer zu sagen. Wer liest, mit welcher Leichtigkeit deutsche Feuilletonisten bei solch einem Ereignis zu Samuel Huntingtons Floskel vom "Zusammenprall der Kulturen" greifen oder das Scheitern der multikulturelle Gesellschaft verkünden, dem kann schon etwas mulmig werden. Seltsamerweise hat niemand vom Zusammenprall der Kulturen gesprochen, als in Mölln und Solingen die ersten Türken verbrannt wurden. Der gemeinsame Boden ist offenbar dünn." DANIEL BAX

taz Nr. 7512 vom 12.11.2004, Seite 11, 241 Zeilen (Kommentar), DANIEL BAX

taz muss sein: ist Ihnen die Internetausgabe der taz wert?

http://www.taz.de/pt/2004/11/12/a0369.nf/text

Gegen Islamisten soll schärfer vorgegangen werden. Unionspolitiker fordern von Ausländern mehr Integration, deutschsprachige Predigten und mehr

 WELT.de/dpa - 14. November 2004

http://www.welt.de/data/2004/11/14/360443.html

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,327859,00.html

Nach der Ermordung des islamkritischen Filmemachers Theo van Gogh dreht sich in Holland die Spirale der Gewalt zwischen radikalen Islamisten und ihren ebenso radikalen Gegnern. Die Deutschen sollte das nicht kalt lassen, warnen Geheimdienstler. Der Funke könnte leicht überspringen

14. November 2004

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,327798,00.html

"Nun ist der Feind auch in den Niederlanden", übersetzt Mehran diese nüchternen Fakten. "Jetzt hat der Feind auch hier sein Gesicht gezeigt." Dieser Feind, das ist der radikale Islam, vor dem sie schon aus Kabul floh.

"Dabei waren die Niederlande ein so schönes Land", erinnert sie sich an eine Vergangenheit, die erst zwei Wochen her ist. "Hier war das Wort sicher." Endlich konnte sie als Muslimin sagen, was sie vom Islamismus hielt - nämlich gar nichts.

Sie versteht die Marokkaner nicht, die "sich gegen alle und alles verschließen". Auch in der Nachbarschaft blieben sie strikt für sich und hätten es geschafft, das Begegnungszentrum komplett zu okkupieren. Jeden Abend organisierten sie dort irgendeine marokkanische Veranstaltung. Alle anderen Bewohner "finden das schwierig", erzählt Mehran.

In diesem Begegnungszentrum trafen sich kürzlich die marokkanischen Jugendlichen, um ihren Abscheu über den Mord an van Gogh zu bekunden. Die Erwachsenen taten das Gleiche nebenan in der Moschee. Diese koordinierten Distanzierungsbemühungen findet Mehran übertrieben, obwohl Mohammed B. marokkanischer Herkunft ist. "Als Pim Fortuyn ermordet wurde, musste auch nicht jeder Niederländer versichern, dass er kein radikaler Tierschützer ist."

Auch da fühlt sie sich manchmal an Afghanistan erinnert. Zum Beispiel, wenn die rechtsliberale Regierungspartei VVD hartnäckig darüber nachdenkt, ob man das Kopftuch nicht ganz verbieten sollte. "Die sind wie die Taliban", staunt Mehran, "nur andersherum. In Afghanistan musste man das Kopftuch tragen, hier soll man es nicht dürfen."

Und wie fast alle Muslime nimmt sie sehr genau wahr, dass immer nur das Kopftuch ein Problem darstellen soll, "aber niemand redet über den Turban der Sikhs".

taz Nr. 7514 vom 15.11.2004, Seite 3, 324 Zeilen (TAZ-Bericht), ULRIKE HERRMANN  

http://www.taz.de/pt/2004/11/15/a0202.nf/text

Nach dem Mord an dem niederländischen Filmemacher van Gogh begann in ganz Europa die Debatte über die Integration von Muslimen. Der Schriftsteller und Journalist Geert Mak warnt im Gespräch mit tagesschau.de davor, die Stimmung zusätzlich anzuheizen: "Wenn man sagt, die Niederlande brennen, dann ist das einfach nicht wahr."

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID3827656_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

Mainz (ots) - Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) hat im "ZDF-Mittagsmagazin" am Freitag, 26. November 2004, dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) widersprochen. Schmidt hatte in einem Zeitungsinterview für das "Hamburger Abendblatt" von einem Fehler gesprochen, in den 60er Jahren Gastarbeiter nach Deutschland geholt zu haben.

http://www.mysan.de/article28226.html

Politiker von SPD und Grünen haben empört auf die Äußerungen Schmidts reagiert. "Es ist ein Schlag ins Gesicht", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün der "Berliner Zeitung".

Marieluise Beck, Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, verteidigte die Zuwanderungspolitik der vergangenen Jahrzehnte: "Die Gastarbeiter haben nach dem Krieg mitgeholfen, unser Land wieder aufzubauen und die Arbeiten erledigt, die die Deutschen nicht mehr machen wollten", sagte Beck der "Bild"-Zeitung.

Verhaltenen Beifall bekommt der Altkanzler dagegen vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann. Der "Bild"-Zeitung sagte er: "Es wurden manche Fehler gemacht.

Auch der SPD-Politiker Peter Glotz sieht die Einwanderungspolitik kritisch: "Wir wären besser gefahren, wenn wir die Einwanderung gesteuert hätten." Er bemängelte insbesondere den Zustrom von Ausländern aus muslimischen Ländern. Man hätte bei der Anwerbung von Muslimen vorsichtiger sein sollen, so Glotz.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) stellte die Frage, "ob es nicht besser wäre, die Fabriken zu den Menschen zu bringen, anstatt Menschen in andere Kulturkreise zu verpflanzen".

http://www.stern.de/politik/deutschland/?id=532802&nv=cp_L2_tt

 

Riesendebatte nach den Äußerungen Helmut Schmidts

War es wirklich ein Fehler,
Gastarbeiter ins Land zu holen?

Mit seinen Äußerungen zur Einwanderungspolitik stößt Altkanzler Helmut Schmidt (85, SPD) auf Zustimmung und Kritik
Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat mit seinen Äußerungen über die deutsche Ausländerpolitik eine Riesendebatte ausgelöst! Das Ideal einer „multikulturellen Gesellschaft“ sei in Deutschland nicht durchsetzbar, hatte Schmidt im „Hamburger Abendblatt“ gesagt: „Insofern war es ein Fehler, daß wir zu Beginn der 60er Jahre Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land holten.“

 

Info_Icon  Post von Wagner
pfeil_schwarz Lieber Altkanzler Schmidt,

Hat der Altkanzler Schmidt wirklich recht? BILD fragte wichtige Deutsche.

Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: „Die Antwort heißt: Nein. Ausländische Arbeitskräfte haben viel zum Wohlstand unseres Landes beigetragen und unser Land auch kulturell bereichert, es weltoffener gemacht. Richtig ist aber auch: Es wurden manche Fehler gemacht. Viel zu lange wurde die Integration der sogenannten Gastarbeiter vernachlässigt. Nur wenn sich das ändert, haben wir alle eine gute gemeinsame Zukunft.“

 

Info_Icon  Hintergrund
pfeil_schwarz Altkanzler Helmut Schmidt: „Es war ein Fehler, Gastarbeiter ins Land zu holen“
pfeil_schwarz Grüne-Minister völlig durchgeknallt: Moslem-Feiertag statt Ostermontag?
pfeil_schwarz Herr Trittin, wollen Sie etwa Moslem werden?

SPD-Vordenker Peter Glotz: „Wir wären besser gefahren, wenn wir die Einwanderung gesteuert hätten, wenn wir auf das Erlernen unserer Sprache gedrückt hätten und wenn wir bei der Anwerbung von Muslimen vorsichtiger gewesen wären.“

 

DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun: „Es war nicht falsch, Arbeiter nach Deutschland zu holen, sondern zu glauben, dies seien alles nur Gäste. Wir brauchen auch in Zukunft bei Engpässen die Möglichkeit, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben.“

 

„FAZ“-Herausgeber Berthold Kohler: „Der Fehler bestand darin, nicht die Folgen zu bedenken. Die ,Gastarbeiter‘ waren keine Tagelöhner, die man nach der Arbeit wegschicken kann. Sie und ihre Familien wurden zu Einwanderern, in vielen Fällen ohne sich zu integrieren – auch weil man das nicht von ihnen verlangte.“

 

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU): „Aus heutiger Sicht würde man sicher sehr viel sorgfältiger überlegen, ob es nicht besser wäre, die Fabriken zu den Menschen zu bringen, anstatt Menschen in andere Kulturkreise zu verpflanzen.“

 

Cem Özdemir, Europa-Abgeordneter der Grünen: „Auch Helmut Schmidt muß sich fragen lassen, was seine Regierung zu besseren Sprachkenntnissen und Schulerfolg von Einwandererkindern beigetragen hat.“

 

Verleger Lord George Weidenfeld: „Rückblickend war es wohl ein Fehler. Denn niemand hat die politischen Probleme bedacht, die eine Einwanderung aus fremden Kulturen mit sich bringt. Die kurzfristige Not, Arbeitsplätze zu besetzen, gab uns zu der Zeit allerdings kaum Alternativen.“

 

Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck: „Nein. Die Gastarbeiter haben nach dem Krieg mitgeholfen unser Land wieder aufzubauen, und die Arbeiten erledigt, die die Deutschen nicht mehr machen wollten.“  

 

 

 

Lieber Altkanzler Schmidt,

Sie sagen, daß die Anwerbung von Gastarbeitern aus fremden Kulturen falsch war. Bei allem Respekt, Sie irren.

Ein Deutschland ohne Adnan, meinen Berliner Lieblingstürken, kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich gehe fast jeden Abend in sein Restaurant – oft mit Walid Nakschbandi. Er ist TV-Produzent, Afghane und ein guter Freund. Jeden Morgen spiele ich mit meinem Tennislehrer Branislav Glosac bei „Rot-Weiß“, er ist Serbe. Mein Facharzt für Innere Medizin ist Perser. Und Rosalinde ist die Frau, mit der ich über alles lachen kann. Sie kommt aus Ghana und ist pechschwarz. Ich liebe meine vielrassige Kameradschaft in Berlin.

Wir alle nämlich sprechen Deutsch.

Unser Fehler, verehrter Helmut Schmidt, war nicht, Gastarbeiter anzuwerben. Unser Fehler war, nicht mit ihnen zu sprechen.

Mit „Du, Mülleimer leeren“ begann das Problem. Wir haben in der Mülleimer-Sprache mit unseren Gastarbeitern gesprochen.

Das ist unverzeihlich.

Herzlichst

 

Ihr F. J. Wagner

 

Jetzt können Sie Franz Josef Wagner auch eine E-mail schreiben: fjwagner@bild.de  

 

Grüne-Minister völlig durchgeknallt

Moslem-Feiertag statt Ostermontag?

Die BILD-Fotomontage zeigt Jürgen Trittin (50) mit Turban und Bart
Berlin – Was haben sich Umweltminister Jürgen Trittin und der Altlinke Christian Ströbele dabei bloß gedacht?

Der Vorstoß der beiden Grünen-Politiker, für die rund 3,5 Millionen Muslime in Deutschland einen gesetzlichen Feiertag einzuführen, hat einen Sturm der Entrüstung entfacht!

 

Info_Icon  Hintergründe
pfeil_schwarz Wie oft feiern die Muslime?
pfeil_schwarz Post von Wagner: Liebe Herren Trittin und Ströbele,
pfeil_schwarz Kommentar: Lichtjahre vom Volk entfernt!

Die „Welt“ zitierte Trittin gestern mit den Worten: „Ich bin offen für einen islami-
schen Feiertag in Deutsch-
land. Aber darauf müßten sich erst einmal die Muslime und die muslimische Gemeinschaft verständigen.“

 

 Hintergründe

Ströbele befürwortet „einen gesetzlichen Feiertag etwa zum Ende des Fastenmonats Ramadan“. Im Gegenzug könne einer der vielen christlichen Feiertage gestrichen werden!

Der grüne Altlinke zu BILD: „Das ist die angemessene Antwort auf Haß und Gewalt, wie wir sie in den Niederlanden erleben!“

„Ein großartiger Vorschlag!“ findet Ali Emari, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft in Hamburg. Er schlägt vor, „daß die Christen für einen muslimischen Feiertag auf den Ostermontag oder Pfingstmontag verzichten“.


Askar Mahmut, Generalsekretär der Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa: „Wir sind ein Teil der Gesellschaft. Wenn man auf Minderheitenrechte Wert legt, ist ein muslimischer Feiertag überfällig.“


Politiker und Kirchenvertreter reagierten entsetzt!

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt distanzierte sich ausdrücklich: „Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, zu fordern, in Saudi-Arabien solle der Pfingstmontag gefeiert werden.“

 

CSU-Chef Edmund Stoiber: „Ein islamischer Feiertag in Deutschland wäre das völlig falsche Signal!“

 

CDU-Chefin Angela Merkel: „Deutschland ist ein Land mit christlich-abendländischen Wurzeln. Feiertage müssen genau diese Identität widerspiegeln.“

 

CDU-Außenexperte Friedbert Pflüger hat nur eine Erklärung: „Die 68er setzen die Kulturrevolution in hohen Ämtern fort!“

 

FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle empört: „Man kann über Feiertage nicht verhandeln wie auf einem Basar.“

 

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) nannte den Plan schlicht „abwegig“.

 

Die Hamburger evangelische Bischöfin Maria Jepsen und der Schleswiger Bischof Hans Christian Knuth lehnten den Vorstoß der Grünen ab.

 

Bischof Knuth: „Solange Christen in bestimmten muslimischen Ländern ihren Glauben sogar mit dem Leben bezahlen, ist die Zeit noch nicht reif, daß sich bei uns die gesamte Gesellschaft und Kultur durch den Islam mitgestalten lassen.“ 

Altkanzler Helmut Schmidt

„Es war ein Fehler, Gastarbeiter
ins Land zu holen“

Spricht Klartext: Helmut Schmidt (85)
Hamburg – Altkanzler Helmut Schmidt (SPD) hat sich in die aktuelle Multikulti-Debatte eingeschaltet.

Das Ideal einer „multikulturellen Gesellschaft“ sei in demokratischen Staaten wie Deutschland nicht durchsetzbar, so Schmidt im „Hamburger Abendblatt“: „Insofern war es ein Fehler, daß wir zu Beginn der 60er Jahre Gastarbeiter aus fremden Kulturen ins Land holten.“ Schmidt fordert, „Ghettos in den Großstädten aufzulösen“.

 

Info_Icon  Hintergrund
pfeil_schwarz Grüne-Minister völlig durchgeknallt: Moslem-Feiertag statt Ostermontag?
pfeil_schwarz Herr Trittin, wollen Sie etwa Moslem werden?

Die Ausländerviertel würden von vielen Behörden sogar noch gefördert: „Nach dem Motto: Da leben sowieso schon so viele Türken, dort ist der Wohnraum billig, also können noch mehr Türken dazukommen.“  

BILD-Interview mit dem Bundesumweltminister

Herr Trittin, wollen Sie
etwa Moslem werden?

Von ROLF KLEINE
Die BILD-Fotomontage zeigt Umweltminister Jürgen Trittin (50) mit Bart und islamischer Kopf-bedeckung. Gestern watschte ihn der Kanzler im Kabinett ab, die Feiertags-Idee sei „absurd“
BILD: Herr Trittin, wann waren Sie das letzte Mal in einer Moschee?

Jürgen Trittin: Das ist lange her und war in Jerusalem.

BILD: Sie essen kein Schweinefleisch, trinken wenig Alkohol – wollen Sie etwa Moslem werden?

Trittin: Ich esse kein Schweinefleisch, trinke gerne Wein – und bleibe Atheist.

 

 Fotogalerie
Moslems in Deutschland
loben Trittin
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 Hintergründe

BILD: Ein muslimischer Feiertag statt Oster- oder Pfingstmontag – ist da der alte
Sponti in Ihnen wieder auferstanden?

Trittin: Ich habe das nicht vorgeschlagen – ich bin gegen die Streichung von Feiertagen, sei es an Ostern, Pfingsten oder am 3. Oktober.

BILD: Aber Tatsache ist doch, daß Sie in der „Welt“ gesagt haben: „Ich bin offen für einen islamischen Feiertag in Deutschland.“ Die Empörung reicht von den Kirchen bis in Ihre eigene Partei ...

Trittin: Die Grünen sind sich einig, daß an hohen islamischen Feiertagen allen Muslimen unseres Landes die Möglichkeit gegeben werden muß, ihre Religion auszuüben, ohne etwa Benachteiligungen am Arbeitsplatz befürchten zu müssen. Wie das am besten zu machen ist, da bin ich in der Tat für Vorschläge offen.

 

 Hintergründe

BILD: Aber welcher islamische Staat käme dazu, einen christlichen Feiertag einzuführen?

Trittin: Feudalistische islamistische Diktaturen sind kein Maßstab für demokratische Rechtsstaaten wie unser Land. Wir haben die Trennung von Staat und Kirche. Wir garantieren die Freiheit der Religionsausübung.

BILD: Muslimischer Feiertag und Diskussion über ein Kruzifix-Verbot in deutschen Schulen: Verleugnen wir nicht unsere Herkunft?

Trittin: Die Trennung zwischen Staat und Kirche muß im gleichen Maße für alle Religionen gelten.

BILD: Haben sich die Multikulti-Ideen der Alt- Achtundsechziger – siehe Holland – nicht längst als falsch erwiesen?

Trittin: Ich bin kein Alt-Achtundsechziger, und in Holland regiert eine Koalition von Konservativen, Liberalen und Rechtspopulisten. Integration heißt weder nebeneinanderher leben noch Gleichgültigkeit und Beliebigkeit im Umgang miteinander. Zur Integration gehört notwendig die demokratische Auseinandersetzung mit und zwischen den Kulturen.  

Biographie

Die niederländische Wikiseite schreibt:

Van Gogh werd geboren te Den Haag. Hij was een zoon van drs. J. van Gogh, een ambtenaar van de Binnenlandse Veiligheidsdienst (BVD). Vader Van Gogh is een kleinzoon van de kunsthandelaar Theo van Gogh (1857-1890), de broer van de schilder Vincent van Gogh.

Übersetzung:

Van Gogh (man beachte die Grosschreibung, wenn nur der Nachnahme erwähnt wird, anders als im Deutschen) wurde in Den Haag geboren. Er war ein Sohn von Doktorandus (a la italienischer Dottore) J. van Gogh, einem Beamten des Inlandssicherheitsdienst (BVD). Vater van Gogh ist ein Enkel des Kunsthändlers Theo van Gogh (1857-1890), dem Bruder des Malers Vincent van Gogh.

Auf der Seite zu Vincent steht:

Op 27 juli 1890, hij is dan nauwelijks 37 jaar oud, verwondt van Gogh zichzelf met een schotwond in de borst. Hij sterft op 29 juli, met Theo aan zijn zijde. Een half jaar later overlijdt Theo ook. Theo's gelijknamige achterkleinzoon was de bekende cineast en columnist Theo van Gogh (1957-2004), die op 2 november 2004 in Amsterdam werd vermoord.

Übersetzung:

.. Theos gleichnamiger Urenkel war der bekannte Cineast und Kolumnist Theo van Gogh ..

Sieht klar aus, ist natürlich kein Beweis, aber scheint gut genug für die niederländische Wikipedia zu sein. --Marc van Woerkom 23:33, 10. Nov 2004 (CET)

 



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